Mit Blick auf die geplante Rentenreform hat Kanzler Merz jungen Leuten einen besonderen Tipp mitgegeben: Sie sollten früh damit beginnen, für ihr Alter zu sparen. Mit 50 Euro im Monat ist seiner Rechnung nach eine sechsstellige Altersversorgung drin.
Ich bin da etwas skeptisch. Einerseits hat er natürlich recht, dass es schwierig ist, wenn die Leute immer älter werden, mit weniger Beitragsjahren viel, viel mehr Rentenjahren zu finanzieren. Es ist, glaube ich, logisch, dass es halt schwierig ist, wenn man dann mit Anfang 20 voll in den Beruf geht und mit 63 aussteigt, nach 43 Jahren Einzahlung dann nochmal zwanzig, dreißig Jahre in der Rente zu verbringen, ohne dass man richtige Rücklagen gebildet hat. Aber fünfzig Euro reißen es wiederum nicht raus, und die Beiträge zur gesetzlichen Rente sind auch gar nicht so knapp, nämlich bei 18,irgendwas Prozent des Bruttolohns. Das ist eine gehörige Summe Geld, die dort eingezahlt wird.
Ich bin nur hart skeptisch, was die CDU-Politik hier betrifft. Zum einen wurde ja gerade das Schonvermögen bei eventueller Arbeitslosigkeit bzw. Bürgergeld extrem gesenkt, was diese private Vorsorge direkt für die Rente entwertet. Da reicht dann eine Phase der etwas längeren Arbeitslosigkeit und die schönen in jungen Jahren gebildeten Rücklagen sind leider futsch, weil man sie verbrauchen musste. Und wir sehen auch seit Jahrzehnten, dass die Politik erzählt, dass man privat für die Rente vorsorgen sollte. Die Werkzeuge, die geschaffen werden, sind dann, wie zum Beispiel die Riester-Verträge, absoluter Müll. Es gibt bereits Millionen Leute, die mit Riester vorsorgen und das ist ein System, von denen leider keiner profitiert, außer den Versicherungsgebern.
Und dann brauchen wir auch gar nicht darüber reden, dass die harten wirtschaftlichen Schocks der letzten Jahre auch dazu führen, dass weniger Geld zum Sparen zur Verfügung steht. Mit hoher Inflation, Energiepreisschocks und dem eskalierenden Immobilien- und Mietenmarkt ist es auch kein Wunder, dass im Zweifelsfall die Leute nicht so viel Geld zum Sparen übrig haben. Das sähe deutlich anders aus, wenn zum Beispiel die Mieten geringer wären.
Nein, ist es nicht. Guck dir die bereinigte Wirtschaftsleistung pro Kopf an. Der Deutsche erarbeitet heute 2,5 mal soviel wie noch vor ein paar Jahrzehnte. Pro Kopf… da ist also die Demographie schon mit drin.
Das ist auch nicht weiter überraschend, denn der selbe Fortschritt, der die Lebenserwartung erhöht, erhöht auch die Produktivität massiv.
Das Problem ist nicht, dass wir uns Renten, Sozial- oder Gesundheitssystem nicht mehr leisten können. Das Problem ist, dass es direkt oder indirekt am Lohn hängt. Und der stagniert, weil seit langem jede Steigerung der Produktivität nahezu unbesteuert nach oben transferirert wird.
Gut, dass das mal einer sagt!
Natürlich hat er recht. Es gibt glaube ich auch niemanden, der/die da anderer Meinung ist. Aber es wäre halt Aufgabe der Regierung (deren Chef er ist), dafür gesellschaftlich gerechte Lösungen zu entwickeln, anstatt einfach zu sagen “Kümmert euch selbst drum, ihr habt ja genug Geld”.
Wenn man 50€ pro Monat über 40Jahre einzahlt und 4% reale Rendite bekommt, dann kriegt man am Ende 200€ pro Monat Rente raus. Ein Renter bekommt momentan 1405€ und eine Rentnerin 955€ pro Monat. Da helfen die 200€ schon. Wenn man also eine Art Altersdepot machen könnte, wo man Geld einzahlen kann, es aber erst wenn man 60 Jahre alt ist abheben kann, wäre das recht praktisch. Das muss dann natürlich auch Teil des Schonvermögens sein, wie es Riester schon jetzt ist.
Ich glaube, die Kernfrage hier ist, warum man das nicht auch einfach über die gesetzliche Rente abwickeln kann. Die gibt es bereits, aber die ist sicherlich nicht perfekt aufgestellt. Die Frage ist allerdings, warum man noch ein weiteres privates und freiwilliges System schaffen sollte, welches neben dieser Rente existiert. Ja, 50 Euro können etwas bringen, aber gleichzeitig zahlt jeder Arbeitnehmer mit etwas Gehalt über dem Mindestlohn mehrere hundert Euro jeden Monat in die Rentenversicherung ein. Und es bedarf definitiv eine Erklärung, warum man denn jetzt neben dieser gewaltigen Summe auch noch privat in ein anderes System einzahlen sollte, statt einfach alles sauber zu finanzieren mit realistischen Raten. Und zwar auch so, dass es für alle funktioniert. Das Gute an der Rente ist ja, dass man sie nicht umgehen kann.
Denn sonst hast du irgendwann ein System, in dem der eine Rentner eben vorgesorgt hat, 200 Euro mehr hat, der andere aber irgendwie in Armut vor sich hin vegetieren muss. Oder gar ein absolut idiotisches System, in dem die private Vorsorge am Ende des Tages bestraft wird, weil die einen durch eine gewisse Grundsicherung oder Zuschüsse für geringe Renten noch extra Zahlungen bekommen vom Staat /Steuerzahlern, während die anderen in ihrem gesamten Leben weniger konsumiert haben, gespart haben und dann nichts bekommen. Daher ist, glaube ich, ein allgemeines System fairer für alle.
Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass in Deutschland jemals Vermögen besteuert werden. Das ist politisch halt viel sicherer, als die gesetzliche Rente. Die wird sowieso von der Union irgendwann abgeschafft.