Der US-Präsident räumte zwar ein, dass die Verhandlungen in Pakistan „gut“ verlaufen seien, erklärte jedoch, Teheran habe sich geweigert, in der Frage seines Atomprogramms Zugeständnisse zu machen.

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    4 days ago

    Und wie sollen Indien oder China die USA davon abhalten, ihre militärischen Abenteuer nach eigenem Gutdünken durchzuziehen?

    Diplomatie ist leider nur so mächtig wie die Druckmittel, die man einsetzen oder zumindest androhen kann, falls der gute Wille versagt. Das sind üblicherweise wirtschaftliche (z.B. Sanktionen) oder militärische Mittel. Sprich: Wenn die USA militärische Abenteuer probiert, können Indien oder China versuchen, wirtschaftliche Daumenschrauben anzusetzen, oder ihrerseits militärisch kontern.

    Iran hat nicht die Mittel, militärische Macht bis nach Amerika zu projizieren, und ist wirtschaftlich selbst vergleichsweise unbedeutend. Ihnen bleibt also nur die Option, die Wirtschaft der anderen unter Druck zu setzen.

    Aber, und das ist halt mein Punkt, aus spieltheoretischer Sicht eben auch der Schritt der Amerikaner nun als Antwort darauf.

    Warum? Iran hat selbst wenig Nutzen davon, dass die Schiffe passieren, da sie selbst (dank Sanktionen) eh nicht so viel am Ölhandel verdienen wie ihre Nachbarn. Sie waren auch in der Vergangenheit nicht auf die Gelder angewiesen, die sie jetzt abfordern, und können vermutlich auch weiterhin ohne leben. Es geht Iran hier nicht um den eigenen Profit, sondern um den Schaden für die USA und ihre internationalen Beziehungen. Die zusätzliche Blockade trifft sie also nicht groß.

    Wen sie noch am ehesten trifft sind die Staaten, die prinzipiell passieren könnten, weil sie keine Verbündeten der USA sind. Ich glaube nicht, dass “Sei mein Freund, sonst…” ein kluger Spielzug ist.

    Und für die Drittländer ist es von Interesse, dass sich so ein Ansatz nicht etabliert.

    Dass die Gefahr einer Blockade besteht war seit dem ersten Golfkrieg klar, aber Iran hatte bisher wenig Interesse daran, den schwelenden Konflikt zu eskalieren. Das hätte aus einer drohenden Atommacht ein akutes Problem ohne Atomwaffen gemacht und somit all die Profiteure des Ölhandels zum Feind gemacht und vermutlich einen weiteren Krieg angefangen. Solange sie den Ärger nicht eh schon haben, lohnt sich das einfach nicht.

    Entsprechend ist es für Drittländer von Interesse, dass sie diesen Ärger weiterhin nicht haben. Der “Iran-Deal” war ein Versuch, die Situation zu entschärfen: Hauptsächlich ging es drum, das Atomwaffenprogramm einzufrieren, wodurch die drohenden Atommacht zumindest gebremst wäre. Aufheben der Sanktionen würde zusätzlich bedeuten, dass Iran doch vom Ölhandel profitieren könnte, und somit auch ein Interesse daran haben, die Straße offen zu halten.

    Und dann geht so ein Idiot her, führt die Sanktionen wieder ein, nimmt Iran damit den Grund, das Atomprogramm zu pausieren und den Profit an der Straße, und greift sie an, wodurch obiges “Solange sie den Ärger nicht eh schon haben” wegfällt: Jetzt müssen sie durch die Blockade keinen Krieg befürchten, weil sie ihn eh schon haben.

    Das Kind ist also längst im Brunnen. Iran haben unter Zwang bewiesen, wie viel Einfluss sie auf den Ölmarkt haben. Die vorher schwer zu beziffernde Drohung ist jetzt ein handfestes Druckmittel. Wenn der letzte Iran-Deal “Sanktionen gegen Atomprogramm” schon schlecht war, wird der nächste “Sanktionen gegen Ölhandel, aber das Atomprogramm behalte ich diesmal” noch viel beschissener.

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      4 days ago

      Wenn die USA militärische Abenteuer probiert, können Indien oder China versuchen, wirtschaftliche Daumenschrauben anzusetzen, oder ihrerseits militärisch kontern.

      Zumindest den Punkt des militärischen Konters können wir wohl begraben. Einer nuklear bewaffneten Vetomacht, die meint, dass für sie die Regeln nicht mehr gelten, ist militärisch von einer anderen Großmacht nicht beizukommen. Das sieht man bei Russland in der Ukraine, das sieht man jetzt bei Trump. In beiden Fällen gibt es zwar Hilfe, aber kein direktes Eingreifen. So war es früher auch schon.

      Und die wirtschaftlichen Daumenschrauben werden doch längst bespielt: ob nun “Strafzölle”, Importverbote, Joint-Venture-Zwang, jede dieser größeren Mächte nutzt seine wirtschaftlichen Hebel ganz bewusst, um die jeweiligen Konkurrenten zu behindern.

      Ihnen bleibt also nur die Option, die Wirtschaft der anderen unter Druck zu setzen.

      Das verstehe ich ja, aber es ist eben auch wie mit einer Schrotflinte in eine Menschenmenge zu feuern. Klar kannst du dein Ziel dabei treffen, aber primär eben auch die anderen.

      Warum? Iran hat selbst wenig Nutzen davon, dass die Schiffe passieren, da sie selbst (dank Sanktionen) eh nicht so viel am Ölhandel verdienen wie ihre Nachbarn. Sie waren auch in der Vergangenheit nicht auf die Gelder angewiesen, die sie jetzt abfordern, und können vermutlich auch weiterhin ohne leben. Es geht Iran hier nicht um den eigenen Profit, sondern um den Schaden für die USA und ihre internationalen Beziehungen. Die zusätzliche Blockade trifft sie also nicht groß.

      Da wäre ich mir nicht so sicher. Sicher verdienen sie nicht so viel wie bspw ein Saudi-Arabien, dennoch sind die Einnahmen aus dem Rohstoffexport ein erheblicher Stützpfeiler der iranischen Wirtschaft. Das Wegbrechen dieser Einnahmen dürfte für erhebliche Verwerfungen sorgen.

      So oder so funktioniert der Ansatz der Iraner jedoch nur, wenn ihn nur die Iraner verfolgen. Wenn sie also die einzigen sind, die die Kontrolle über die Straße von Hormus an sich reißen und fortan nach eigenem Ermessen entscheiden, wer zu welchen Konditionen passieren darf. In dieser Situation liegt der Nutzen nur beim Iran und der Schaden nur bei den USA (bzw. eigtl auch bei allen Ländern, die davon betroffen wären). Entscheiden sich die USA nun jedoch, ebenfalls die Straße zu kontrollieren, haben sie zwar keinen wirklichen Nutzen gewonnen (denn der Iran wird mit seiner Blockade dafür sorgen, dass niemand im Sinne der Amerikaner durchkommt) aber damit wird der Schaden auch auf den Iran verteilt, während der ursprüngliche Nutzen verschwindet. Daher gibt es eine große Motivation für die Amerikaner, so zu handeln und es ist aus spieltheoretischer Sicht logisch. Nur noch mal zur Sicherheit: die Vorzeichen “Iran” und “USA” sind für dieses Ergebnis im Übrigen vollkommen unerheblich, es wäre ebenso logisch, wenn stattdessen der Iran so auf eine Blockade + “Maut” der Amerikaner reagieren würde.

      Entsprechend ist es für Drittländer von Interesse, dass sie diesen Ärger weiterhin nicht haben. Die vorher schwer zu beziffernde Drohung ist jetzt ein handfestes Druckmittel.

      Nun haben die Drittländer jedoch diesen Ärger und werden im eignen Interesse gezwungen sein, darauf zu reagieren. Das kann, muss jedoch keinesfalls im Sinne des Irans sein. Die Wette, dass die Weltgemeinschaft in diesem Konflikt nun die USA als die “weichere” Position auffassen werden und diese zu beeinflussen versuchen, ist mindestens gewagt. Das Regime in Teheran steht der “negativen Beliebtheit” eines Trumps nicht unbedingt nach. Es wird sich die Frage stellen, auf welcher Seite man die schnellste/günstigste Lösung vermutet.

      • luciferofastora@feddit.org
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        4 days ago

        Zumindest den Punkt des militärischen Konters können wir wohl begraben.

        Ja, das war eher der Theorie halber. Dass das praktisch nur in Katastrophe enden würde ist uns allen klar.

        jede dieser größeren Mächte nutzt seine wirtschaftlichen Hebel ganz bewusst, um die jeweiligen Konkurrenten zu behindern.

        Ist auch ein schwieriges Spiel, den anderen mehr zu behindern als man sich selbst dafür wirtschaftlich ins eigene Fleisch schneidet. Wir könnten glaube ich alle so viel besser dran sein, wenn nicht dauernd irgendwelche Astlöcher einander ausstechen wollten.

        es ist eben auch wie mit einer Schrotflinte in eine Menschenmenge zu feuern. Klar kannst du dein Ziel dabei treffen, aber primär eben auch die anderen.

        Wenn die anderen einen Aggressionskrieg dulden oder gar unterstützen sind sie aus Sicht des Verteidigers ebenfalls Ziele. Sonst sind sie Kollateralschäden der Notwehr, die das den USA anlasten sollten. Und wenn du nicht nah genug an das Ziel rankommst, um dich präziser zu verteidigen… Bei Ukraine sind wir alle eingesprungen und haben geholfen, aber Palästina schreit seit Jahren vergeblich um Hilfe.

        Ja, ist beschissen, aber nicht ihre Schuld.

        Sicher verdienen sie nicht so viel wie bspw ein Saudi-Arabien, dennoch sind die Einnahmen aus dem Rohstoffexport ein erheblicher Stützpfeiler der iranischen Wirtschaft.

        Laut https://www.worldstopexports.com/worlds-top-oil-exports-country/ waren das in 2024 21k USD. Klingt für mich danach dass der Stützpfeiler schon weggebrochen ist, wodurch wir wieder bei “haben nicht viel zu verlieren” wären.

        So oder so funktioniert der Ansatz der Iraner jedoch nur, wenn ihn nur die Iraner verfolgen.

        Ich glaube, der Ansatz ist nicht primär das feine Kontrollieren sondern erstmal überhaupt das Stören. Das auf Dauer im Detail zu kontrollieren wäre erheblicher Aufwand bei der Menge an Schiffen, die normal durchfährt. Das geht, wenn man es als “begrenzte Ausnahme” einer Sperre macht, aber langfristig ist ja auch für Iran das Ziel, das wieder zu öffnen (nur halt nicht auf Kosten ihrer Souveränität).

        Deswegen glaube ich nicht, dass das der Plan ist. Es reicht, wenn klar ist, dass sie zumachen können. In der Schrotflintenanalogie: “Solange auf mein Haus geschossen wird, ist die Straße nicht sicher.” Und das funktioniert auch wenn andere mitmachen.

        Nur noch mal zur Sicherheit: die Vorzeichen “Iran” und “USA” sind für dieses Ergebnis im Übrigen vollkommen unerheblich, es wäre ebenso logisch, wenn stattdessen der Iran so auf eine Blockade + “Maut” der Amerikaner reagieren würde.

        Das sehe ich anders.

        Die USA haben an der Region hauptsächlich das Interesse, dass Öl und Gas fließen. Das zu blockieren oder zu hemmen würde ihren eigenen Zielen schaden. Klar könnten sie eine Maut verlangen - das wird dann halt auf den Preis aufgeschlagen.

        Iran hat hauptsächlich das Interesse, weiterhin zu existieren. Einen Krieg mit den USA zu riskieren würde das gefährden. Sie könnten sich die Blockade nicht leisten, wenn sie nicht eh schon im Kampf um ihr Überleben wären.

        Wenn wie statt Iran China einsetzen, würde das schon mehr Sinn machen, von dem Risiko militärischer Eskalation abgesehen.

        Die Wette, dass die Weltgemeinschaft in diesem Konflikt nun die USA als die “weichere” Position auffassen werden und diese zu beeinflussen versuchen, ist mindestens gewagt.

        Selbst wenn die Weltgemeinschaft hinter Trump stünde, würde ein weiterer Golfkrieg massive Kosten fordern und signifikanten Schaden in der Region anrichten. Die Blockade ist ja nicht das einzige militärische Ziel. Bedenke, wie schwer es die Koalition schon in Irak hatte. Dann bedenke, dass Iran doppelt so viele Bürger hat, dreimal so groß ist und viel unwegsames Gelände hat, was eine Offensive auf dem Boden schwierig und teuer machen würde, selbst wenn sie keine Unterstützung von anderen Mächten bekämen, die dem US-Bündnis eine auswischen wollen.

        Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die politische Frage: Wie viele tausende Leben wollen wir diesmal opfern, um hoffentlich den Status Quo Ante wieder herzustellen?

        (Abgesehen davon: Was hat Iran bei der Wette zu verlieren? Ihre Existenz steht ja schon auf dem Spiel.)

        Das Regime in Teheran steht der “negativen Beliebtheit” eines Trumps nicht unbedingt nach. Es wird sich die Frage stellen, auf welcher Seite man die schnellste/günstigste Lösung vermutet.

        Das Regime in Teheran hat zumindest strategisch weniger den Ruf, unberechenbar und willkürlich wortbrüchig zu sein. Der Deal “Sanktionen gegen Atomwaffen” war für sie vorteilhaft, keine Frage, aber es bestanden vermutlich auch gerade deswegen laut der IAEA keine Indizien, dass sie sich nicht daran gehalten hätten (und verzeih mir, wenn ich den Behauptungen der USA, wer jetzt schon wieder vermeintlich Atomwaffen hätte, nicht mehr uneingeschränkt glaube).

        Wenn ich überlege, wen ich aus sicherheitspolitischer Sicht eher beschwichtigen will, rechne ich mir doch bessere Chancen mit “Ich will vor allem überleben” als mit “Ich will alles haben - Kanada, Grönland, eigentlich soll mir die ganze EU zu Füßen liegen, Venezuella hab ich eh schon unterworfen und wer als nächstes dran ist muss ich mir noch einreden lassen - und mir sind alle Zusagen und Bündnisse egal.”

        Iran wird die Blockade vermutlich im Gegenzug für Konzessionen aufheben. Bei den USA weiß ich nicht, ob die nicht nachher beschließen “Ach weißt du was, so ein Erpressungsschema ist doch eigentlich ganz nett. Fühlt sich nach Macht an. Ich mag Macht.”

        Ja, Iran ist ein Problem und das Regime ist grausam zu seinen Bürgern. Die USA sitzen da leider gerade im Glashaus. Wir leiden auch drunter, wenn auch bisher weniger. Der ganze Scheiß geht so oder so auf den Nacken der Armen, und in diesem Fall sind die USA der Aggressor. Alle strategischen Überlegungen beiseite wäre das Grund genug, sie genauso zu verurteilen wie Russland.

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          4 days ago

          Wir könnten glaube ich alle so viel besser dran sein, wenn nicht dauernd irgendwelche Astlöcher einander ausstechen wollten.

          Das stimmt. Tun sie aber, und offenbar werden es erst mal nicht weniger.

          Bei Ukraine sind wir alle eingesprungen und haben geholfen

          Naja… alle? Es gibt genügend Länder, die sich vornehm mit der Kritik zurückhalten. Von China, das das mit Rücksicht auf seinen Partner Russland bis heute nicht als “Angriffskrieg” bzw überhaupt “Krieg” bezeichnen will und stattdessen unter der Hand fröhlich dran verdient, bis zum besagten Iran, der auch keinerlei Probleme damit hat, Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ein für sie vollkommen unbeschriebenes Land vor unserer Haustür zu unterstützen. Und selbst in Europa haben wir Länder, die erstaunlich viel Verständnis dafür haben, dass Russland einfach mal mit Krieg seine Grenzen verschieben will, wie als wären wir wieder in den 40ern. Und den weitaus meisten Ländern auf der Welt ist es vollkommen egal. Vielleicht allenfalls mahnende Worte vor der UN. Das ist doch die Welt, in der wir längst leben: am Ende interessiert es keinen, gehandelt wird nur unter Zwang oder wenn es opportun ist

          Laut https://www.worldstopexports.com/worlds-top-oil-exports-country/ waren das in 2024 21k USD.

          Ich hatte von ~1.3 Mio Barrel pro Tag 2025 gelesen.

          Ich glaube, der Ansatz ist nicht primär das feine Kontrollieren sondern erstmal überhaupt das Stören.

          In der Schrotflintenanalogie: “Solange auf mein Haus geschossen wird, ist die Straße nicht sicher.”

          So wie ich die Äußerungen des Iran verstehe, möchte man das als dauerhaftes System etablieren, um sich eine ständige Einnahmequelle zu eröffnen. Und das wird wohl wenig Anklang bei den anderen Ländern finden. Denn es würde nicht zuletzt ein System normalisieren, nach dem Länder plötzlich nach Gutdünken in das Gemeingut freier Schiffsverkehr eingreifen, um sich zu bereichern. Das ist in niemandes Interesse.

          Das sehe ich anders. Die USA haben an der Region hauptsächlich das Interesse, dass Öl und Gas fließen. Das zu blockieren oder zu hemmen würde ihren eigenen Zielen schaden. Klar könnten sie eine Maut verlangen - das wird dann halt auf den Preis aufgeschlagen.

          Dann missverstehst du mich vielleicht: es geht mir darum, dass es bei dieser spieltheoretischen Betrachtung egal ist, welche Seite (aus welchen Gründen auch immer) zuerst den Schritt der Blockade + “Maut” geht. In beiden Fällen hat die jeweils andere Seite einen immensen Anreiz, ebenfalls zu blockieren und damit das System des ersten zu zerstören. Vergleich es vielleicht mit Atomwaffen: wenn die eine Seite es nutzen will, muss die andere Seite glaubhaft machen, dass sie es ebenfalls tut. Nur dann entsteht die Situation, dass sich keine Seite mehr einen Nutzen daraus erhoffen kann und darin eine gangbare Option sieht.

          Selbst wenn die Weltgemeinschaft hinter Trump stünde, würde ein weiterer Golfkrieg massive Kosten fordern und signifikanten Schaden in der Region anrichten.

          Hat er doch schon. Die Amerikaner und Israelis haben den Iran massiv bombardiert, der Iran dafür die Rohstoff-Infrastruktur der anderen Golfstaaten angegriffen. Die Schäden und Kosten, die Eskalation sind längst da, das “Eis” also längst gebrochen.

          Das Regime in Teheran hat zumindest strategisch weniger den Ruf, unberechenbar und willkürlich wortbrüchig zu sein.

          Wohl niemand ist so willkürlich wortbrüchig wie Trump. Aber ein Iran, der mit Raketen eine 4000km entfernte Militärbasis angreift, obwohl er jahrelang beteuert hat, gar kein Raketenprogramm dieser Reichweite zu besitzen oder anzustreben und deswegen die Sanktionen unberechtigt wären, der sich mit seinem Nuklearprogramm zumindest “sehr intransparent” verhalten hat, steht jetzt in der internationalen Liste des Vertrauens auch nicht wirklich weit oben. Dazu kommt, dass die USA wirtschaftlich erheblich mächtiger sind und sich die wenigsten Länder eine offene Feindschaft mit ihnen leisten können, während der Iran international bereits weitestgehend isoliert ist.

          • luciferofastora@feddit.org
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            3 days ago

            Naja… alle? Es gibt genügend Länder, die sich vornehm mit der Kritik zurückhalten.

            Da hast du Recht, das war falsch formuliert. Eurozentrisch betrachtet wäre das eine rhetorische Hyperbel, aber den Rest der Welt sollte ich natürlich nicht unterschlagen. So ausgedrückt stimmt das schlichtweg nicht.

            Ich hatte von ~1.3 Mio Barrel pro Tag 2025 gelesen.

            Der Artikel erwähnt aber auch den verheerenden Effekt der Sanktionen. Wie gesagt: Die Säule scheint schon weggebrochen zu sein, also nicht mehr viel zu verlieren.

            So wie ich die Äußerungen des Iran verstehe, möchte man das als dauerhaftes System etablieren, um sich eine ständige Einnahmequelle zu eröffnen. Und das wird wohl wenig Anklang bei den anderen Ländern finden.

            Absolut. Der übliche Weg, dem beizukommen, wäre dann Diplomatie unter Androhung (weiterer) Sanktionen oder Gewalt. Und genau das hätte ich als Absicht hinter diesen Äußerungen vermutet: Eine starke Verhandlungsbasis für Diplomatie schaffen.

            In beiden Fällen hat die jeweils andere Seite einen immensen Anreiz, ebenfalls zu blockieren und damit das System des ersten zu zerstören.

            Sprich: Wenn das positive Equilibrium erst verloren ist, stellt das negative eine Verbesserung / Schadensbegrenzung dar?

            Ich denke schon, dass ich dich richtig verstehe; ich halte das jedoch nicht für ein symmetrisches Spiel.

            Isoliert betrachtet, ja, volle Blockade negiert den Profit der Maut. Im konkreten Beispiel glaube ich aber, dass der Nutzen der Blockade / Maut für Iran höher ist als für die USA. Die Maut erhöht Ölpreise auf dem Weltmarkt, was auch die USA trifft (oder zumindest ihre Bürger, die Ölhändler freuen sich natürlich).

            Da die USA insgesamt mehr Wirtschaftsmacht hat, bringen ihr die Maut-Erlöse weniger; da sie aber mehr Öl verbraucht, trifft die Preiserhöhung sie stärker. Sie einzurichten schadet den US-Interessen, völlig egal wer sie erhebt. Wenn beide das tun und noch weniger durchkommt, steigen die Preise noch weiter, und der wirtschaftliche Druck mit ihnen.

            Das Equilibrium hätte ich vielmehr hier gesehen: Wenn Iran die Straße blockiert, egal ob die USA das auch tun, riskieren sie Krieg mit ihnen, weil sie deren Öl-Interessen schaden. Haben die USA erstmal den Krieg begonnen, ist es logisch für Iran, die Straße zu blockieren. Folglich wäre es logischer gewesen, den Krieg gar nicht anzufangen, damit die Gefahr der Eskalation weiterhin als Abschreckung dient, aber so sind sie jetzt in dem negativen Equilibrium gefangen.

            Der Ausweg wäre entweder ein Friedensabkommen, das die Straße wieder öffnet, aber schätzungsweise noch übler wäre als der vorige Iran-Deal (von dem mangelnden Vertrauen in die Abkommenstreue der USA mal abgesehen), oder eine Kapitulation der USA, weil sie den Krieg nicht weiter fortführen können (wobei das die Straße nicht öffnen würde, sondern nur dem Iran einen Freifahrtschein für die weitere Kontrolle und entsprechend Hebelkraft für Verhandlungen geben würde).

            Aber ein Iran, der mit Raketen eine 4000km entfernte Militärbasis angreift, obwohl er jahrelang beteuert hat, gar kein Raketenprogramm dieser Reichweite zu besitzen oder anzustreben und deswegen die Sanktionen unberechtigt wären

            Bezogen die Sanktionen sich nicht primär auf das Atomprogramm, das Iran laut der IAEA bereits 2003 suspendierte, was sie 2015 abschließend zertifizierten und im Rahmen des JCPOA fortlaufend überwachten, bis die USA 2018 die Sanktionen wieder einsetzten, unter der Behauptung, dass Iran sich…

            mit seinem Nuklearprogramm zumindest “sehr intransparent” verhalten hat

            …, welche von Israel ausging, das aufgrund von persönlichen Interessen keine zuverlässige Quelle darstellt, und der die IAEA entschieden widersprach, unter Verweis auf den erwähnten Bericht und die intensiven Überwachungsmaßnahmen, woraufhin Iran 2019 seine Absicht verkündete, das Programm wieder aufzunehmen, dabei die IAEA-Inspektionen weiter zuließ, jede Überschreitung von Grenzwerten des Abkommens bekanntgab und somit selbst beim Verletzen und Kündigen des Deals das Musterbild der Transparenz war?

            Sorry, nachdem Irak offenbar doch keine WMD hatte, neige ich hier eher dazu, der IAEA zu glauben als den Herren “Mein Heiliges Land” und “Ich mag den nicht”.

            • Quittenbrot@feddit.org
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              2 days ago

              Wie gesagt: Die Säule scheint schon weggebrochen zu sein, also nicht mehr viel zu verlieren.

              Da hast du recht. Fraglich ist nur, ob der Iran wirklich langfristig auf diese Säule verzichten kann. Die blutig niedergeschlagenen Proteste Anfang des Jahres hatten ihren Ursprung ja in der desolaten wirtschaftlichen Lage.

              Eine starke Verhandlungsbasis für Diplomatie schaffen.

              Die könnte aber auch dazu führen, dass es immensen Druck geben wird, dass man sicherstellt, dass der Iran das nie wieder machen kann. Wir haben schon jetzt Stimmen von anderen Golfstaaten, die klar sagen, dass ein reiner Waffenstillstand nicht reicht, sondern das “Problem” (damit meinen sie Iran bzw dessen Bedrohungspotential) endgültig gelöst werden muss. Mit dieser Ankündigung stellt der Iran in Aussicht, sich auch nach den Kriegshandlungen nicht an bisherige etablierte internationale Regeln halten zu wollen. Das kann auch nach hinten losgehen.

              Sprich: Wenn das positive Equilibrium erst verloren ist, stellt das negative eine Verbesserung / Schadensbegrenzung dar?

              Genau! Bzw sogar noch perfider: nur der Schritt ins negative Äquilibrium eröffnet die Möglichkeit, irgendwann wieder ins positive zu wechseln, da keine Seite mehr vom Ungleichgewicht profitiert.

              Folglich wäre es logischer gewesen, den Krieg gar nicht anzufangen

              Natürlich wäre das logischer gewesen. Dieser Krieg ist ja nicht nur illegal, sondern komplett töricht. Außer sinnloser Zerstörung konnte kein einziges strategisches Ziel erreicht werden. Stattdessen sitzt ein Regime, das Anfang des Jahres noch zehntausende seiner Bürger in den Straßen erschoss, um zu überleben, nun fester im Sattel als vorher und die Weltwirtschaft ist im Klammergriff. Aber der Krieg wurde angefangen und nun kann man sich nur noch innerhalb dieser Möglichkeiten entscheiden. Und da ist das negative Gleichgewicht die logischste Alternative für den “Spieler”, wenn der andere den Zug der Blockade gemacht hat.

              Bezogen die Sanktionen sich nicht primär auf das Atomprogramm

              Ein Teil der Bestimmungen der Sanktionen ist, dass der Iran keine Raketen entwickeln oder besitzen darf, die im Zusammenhang mit einem Nuklearwaffenprogramm genutzt werden können. Bisher war die Aussage der iranischen Seite, dass man ein Raketenprogramm dieser Reichweite überhaupt nicht hätte.

              welche von Israel ausging, das aufgrund von persönlichen Interessen keine zuverlässige Quelle darstellt

              Es sind ja nicht nur israelische Quellen, die zu recht sehr skeptisch behandelt werden müssen. Aber zB 2009 wurde die Existenz einer weiteren Anreicherungsanlage in Fordo bekannt, die der Iran bisher vor der IAEO verborgen hatte. Und obwohl der Iran stets ein rein ziviles Atomprogramm beteuert, berichtet die IAEO von mehreren Hundert Kilo auf 60% angereichertem Uran. Für zivile Energiegewinnung ist das nicht nötig. Man muss keinesfalls das Verhalten der Amis oder Israelis gutheißen, aber der Iran verhält sich hier seit Jahren höchst suspekt und intransparent!

              • luciferofastora@feddit.org
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                2 days ago

                Fraglich ist nur, ob der Iran wirklich langfristig auf diese Säule verzichten kann.

                Vermutlich nicht, nein. Daher meine Annahme, dass er auf Verhandlungen abzielt, um die Sanktionen loszuwerden. Dann könnte er auch wieder vom Handel profitieren, bräuchte die Einnahmequelle der Zölle weniger und hätte die Drohung weiterhin als Verhandlungsmittel, falls sie ausreichend in die Ecke gedrängt werden, dass sich das wieder lohnen würde.

                Die könnte aber auch dazu führen, dass es immensen Druck geben wird, dass man sicherstellt, dass der Iran das nie wieder machen kann. Wir haben schon jetzt Stimmen von anderen Golfstaaten, die klar sagen, dass ein reiner Waffenstillstand nicht reicht, sondern das “Problem” (damit meinen sie Iran bzw dessen Bedrohungspotential) endgültig gelöst werden muss.

                Klar können die Golfstaaten das sagen. Stellen sie auch die Soldaten, Waffen, Logistik usw.? Wie gesagt, Irak war schon teuer, Iran wird nicht billiger.

                Iran ist, global betrachtet, “nur” ein lokales Problem, solange sie keine Atomwaffen haben. Entsprechend unzufrieden waren Saudi-Arabien und Israel bereits mit dem JCPOA, der Iran lokal Freiheiten gewährte im Austausch für globale Sicherheit (zumindest ein Stück weit).

                Natürlich werden sie also jetzt Forderungen stellen, die für sie und ihre nationale Sicherheit und Interessen von Vorteil sind, genau wie alle anderen. Ob sie ihre Forderungen letztlich auch durchsetzen können, wird sich zeigen. Ich rechne ihnen da keine hohen Chancen zu - der Rest der Welt wird wahrscheinlich zufrieden sein, wenn sie das Atomproblem eliminiert bekommen - aber ich hab natürlich viel weniger Wissen und Erfahrung als die Diplomaten und Strategen, die solche Stimmen verlauten lassen.

                Bzw sogar noch perfider: nur der Schritt ins negative Äquilibrium eröffnet die Möglichkeit, irgendwann wieder ins positive zu wechseln, da keine Seite mehr vom Ungleichgewicht profitiert.

                Gut, da werden wir uns wohl nicht einig, aber ich glaube nicht, dass das ein Equilibrium ist, weil es den USA mehr schadet, den Preis noch weiter hochzutreiben.

                Die Frage ist letztlich, ob die Einnahmen Irans relativ zu ihrem Haushalt größer sind als der Schaden, den die USA (und andere) durch die doppelte Blockade erleiden. Letzteres ist schwer zu beziffern, wenn nicht absehbar ist, welche politischen Kosten das hat; ersteres ist schwer zu messen, wenn man nichts messen kann. Diese Unsicherheiten ziehen sich halt durch die ganze Situation: es ist ein morbides Poker mit blutigen Einsätzen.

                Ein Teil der Bestimmungen der Sanktionen ist, dass der Iran keine Raketen entwickeln oder besitzen darf, die im Zusammenhang mit einem Nuklearwaffenprogramm genutzt werden können.

                Das waren die Forderungen, die die USA 2017 nachgeschoben hatte. Ich meine, Iran hatte nie verkündet, diesen folgen zu wollen, sondern wollte beim ursprünglichen Deal bleiben, der das nicht vorsah. Reuters zitiert hier eine Forderung an die Europäischen Mächte:

                Ayatollah Ali Khamenei’s official website said that he also stipulated European powers must protect Iranian oil sales from U.S. pressure and continue buying Iranian crude, and must promise they would not seek new negotiations on Iran’s ballistic missile programme and regional Middle East activities.

                Betonung durch mich hier darauf, dass sie das explizit nicht versprechen wollten. Kann natürlich sein, dass ich seitdem Aussagen übersehen habe.

                Aber zB 2009 wurde die Existenz einer weiteren Anreicherungsanlage in Fordo bekannt, die der Iran bisher vor der IAEO verborgen hatte.

                Auch das erwähnt der Bericht des Direktors von 2015, in dem er zertifizierte, dass Iran in 2015 keine Programme mehr am Laufen habe. Dass die IAEA das vor 2009 nicht wusste ist sekundär, wenn der JCPOA erst ab 2015 umfangreiche Inspektionen ermöglichte. Ihre Untersuchung befand unter anderem:

                The Agency has no credible indications of activities in Iran relevant to the development of a nuclear explosive device after 2009. (G.87)

                Und obwohl der Iran stets ein rein ziviles Atomprogramm beteuert, berichtet die IAEO von mehreren Hundert Kilo auf 60% angereichertem Uran.

                Ja, richtig, das hat auch der Iran selbst nicht nur 2019 als Absicht erklärt sondern 2022 explizit verkündet nachdem die USA ihre Kooperation 2018 zurückgezogen hatte und die Sanktionen wieder eingesetzt hatte. Unmittelbar davor hatte die IAEA ein Statement veröffentlicht, in dem sie erneut bestätigen, dass Iran das damals (2018) nicht hatte.

                Erst nachdem Netanyahu das behauptet hatte, Trump wie ein braver Hund auf den Plan schiss und es ein Jahr später immer noch nicht geschafft hatte, ihnen ein auch nur irgendwie verhandelbares neues Angebot zu machen, haben sie angefangen, die Anschuldigungen wahrzumachen. Gleiches Spiel wie die Straße von Hormuz: Die USA verhängen die Strafe, brechen aus dem Equilibrium aus, und Iran zieht logisch nach.

                Iran hatte sich an die Spielregeln gehalten, bis Trump die Regeln unvermittelt ändern wollte, dann nicht mehr mitspielte, alle weiteren Verhandlungen sabotierte und waren selbst dann noch transparent, als sie erklärt haben, dass sie dann auch nicht mehr mitspielen wollen.

                Das ist nicht “seit Jahren suspekt”. Das ist seit Jahren ein sehr offenes “ihr mich auch”.

                • Quittenbrot@feddit.org
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                  1 day ago

                  Die Frage ist letztlich, ob die Einnahmen Irans relativ zu ihrem Haushalt größer sind als der Schaden, den die USA (und andere) durch die doppelte Blockade erleiden.

                  Ja, aber nur wenn die USA ebenfalls blockieren, wird es wirklich zu einem Problem, das alle Seiten trifft und von dem sich nicht eine Gruppe Länder mit guten Verbindungen zum Iran “freikaufen” können. Du siehst es jetzt ja schon: China hat den Iran eindrücklich gebeten, den freien Schiffsverkehr wieder zu ermöglichen. Ob sie das auch getan hätten, wenn der Iran mit seiner Willkür-Maut ein System geschaffen hätte, was zumindest für die Chinesen funktioniert? Insofern würde ich es schon Äquilibrium nennen, denn es sorgt dafür, dass sich der Druck gleichmäßiger als vorher verteilt und keine Seite den Nachteilen entgehen kann.

                  Das waren die Forderungen, die die USA 2017 nachgeschoben hatte. Ich meine, Iran hatte nie verkündet, diesen folgen zu wollen, sondern wollte beim ursprünglichen Deal bleiben, der das nicht vorsah.

                  Jain. Die UN-Resolution 2231 hatte auch schon Raketen angesprochen. Darum haben sich 2016 auch nicht nur die Amis, sondern auch UK, FR und DE darüber bei der UN beschwert, weil die Raketentests nach Abschluss des Deals für sie gegen diese Bestimmungen verstoßen haben. Die Amis haben es dann danach explizit als Forderung aufgenommen, während es in der ursprünglichen Resolution 2231 nur eine Nebenrolle spielte. Dass auf zumindest einer dieser Raketen groß auf hebräisch “Israel muss vom Angesicht der Erde getilgt werden” geschrieben stand, hat auch nicht unbedingt geholfen…

                  verhandelbares neues Angebot zu machen, haben sie angefangen, die Anschuldigungen wahrzumachen.

                  Warum sollte man das tun? “Ihr unterstellt uns zu unrecht Sachen und zur Strafe machen wir jetzt das, was ihr uns unterstellt!”??

                  Ja, richtig, das hat auch der Iran selbst nicht nur 2019 als Absicht erklärt sondern 2022 explizit verkündet nachdem die USA ihre Kooperation 2018 zurückgezogen hatte und die Sanktionen wieder eingesetzt hatte.

                  Dass der Iran es öffentlich ankündigt, macht die Sache nicht wirklich besser. Diese Form der Anreicherung macht nur Sinn, wenn man Nuklearwaffen anstrebt. Ärger über Amis hin oder her, dem Iran wurde durch die Weltgemeinschaft im Rahmen der UN diese Bewaffnung verboten. Tut er es trotzdem, und danach sieht es aus, ist er nicht das Opfer, dessen Hand irgendwie geführt wurde, sondern trägt die Verantwortung für seine Taten.

                  Iran hatte sich an die Spielregeln gehalten, bis Trump die Regeln unvermittelt ändern wollte

                  Wie gesagt: die Raketensache ist zumindest umstritten.

                  • luciferofastora@feddit.org
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                    10 hours ago

                    Darum haben sich 2016 auch nicht nur die Amis, sondern auch UK, FR und DE darüber bei der UN beschwert, weil die Raketentests nach Abschluss des Deals für sie gegen diese Bestimmungen verstoßen haben.

                    Trotzdem haben sie die Sanktionen, die die USA 2018 (wieder) verhängt haben, nicht mitmachen wollen. Aber gut, da haben die Parteien wohl einen Punkt unterschiedlich eingeschätzt.

                    Dass auf zumindest einer dieser Raketen groß auf hebräisch “Israel muss vom Angesicht der Erde getilgt werden” geschrieben stand, hat auch nicht unbedingt geholfen…

                    Nein, bestimmt nicht. Israel sitzt da im Glashaus, aber das rechtfertigt den gegenseitigen Hass nicht wirklich, und Zivilisten ins Ziel zu nehmen schon dreimal nicht.

                    Warum sollte man das tun? “Ihr unterstellt uns zu unrecht Sachen und zur Strafe machen wir jetzt das, was ihr uns unterstellt!”??

                    Die Sanktionen sind die Strafe. Das Atomprogramm ist der Verstoß, der dadurch bestraft werden sollte. Es ging ja nicht nur um Unterstellung, sondern um Bestrafung aufgrund dieser Unterstellung.

                    In Spieltheorie-Begriffen: Es gab ein Äquilbrium, die USA haben es zerstört weil es Netanyahu nicht gut genug war.

                    Das Spiel besteht aus den Entscheidungen “Atomwaffen?” für Iran und “Sanktionen?” für die UN (bzw. hier hauptsächlich USA). Das positive Äquilbrium wäre “Nein/Nein” (Kooperation), was auch das Ziel der Resolution war.

                    Wenn die USA sich aber entscheiden, die Kooperation zu beenden, hat der Iran nichts mehr davon, seinen Teil des Plans weiter durchzuziehen und nachher Arm und unbewaffnet dazustehen. Das Programm wieder aufzunehmen was also ein Versuch, den Gegendruck aufzubauen, damit erneute Verhandlungen nötig sind.

                    Genau wie die Gegenblockade mag das als strategischer Zug Sinn machen, aber beschissen ist es natürlich trotzdem.

                    dem Iran wurde durch die Weltgemeinschaft im Rahmen der UN diese Bewaffnung verboten. Tut er es trotzdem, und danach sieht es aus, ist er nicht das Opfer, dessen Hand irgendwie geführt wurde, sondern trägt die Verantwortung für seine Taten.

                    Klar, die Mächtigen wollen nicht teilen. Haben ja auch Ukraine dazu bekommen, ihre abzugeben. Ich kann dem Iran nicht verdenken, dass er den Fehler nicht auch machen will. In unserer Welt heute sind halt Atomwaffen leider die effektivste Abschreckung, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.

                    Mein Punkt ist nicht, dass er nicht verantwortlich für seine Taten wäre. Die Sanktionen hatten aber, soweit die Experten das beurteilen, ihren Hauptzweck (Atomwaffen verhindern) erzielt und Iran gezwungen, einzulenken. Die Lösung war nicht optimal, aber die sprichwörtliche Bombe war zumindest entschärft. Wofür ich die USA verantwortlich mache ist, dass sie wieder tickt.

                    Wie gesagt: die Raketensache ist zumindest umstritten.

                    Die Raketensache, ja, war aber nicht der Vorwand, die Sanktionen wieder einzusetzen.

                    Die Behauptung Netanyahus, auf die hin Trump die Sanktionen hat wieder einsetzen lassen, war, dass Iran eine “geheimes” Atomprogramms vor der IAEA versteckt hätte, wobei die vorgebrachten “Beweise” nur etwas beschrieben, was die IAEA schon kannte.

                    Die Medien haben das oft brav nachgeplappert. Bei dir hats ja auch funktioniert: Du hattest den Eindruck, dass Iran sich suspekt oder intransparent verhalten hätte, obwohl sie seit mehr als zehn Jahren das Musterbild an Transparenz sind. Mittlerweile halt transparent beschissen.