Der US-Präsident räumte zwar ein, dass die Verhandlungen in Pakistan „gut“ verlaufen seien, erklärte jedoch, Teheran habe sich geweigert, in der Frage seines Atomprogramms Zugeständnisse zu machen.
Der US-Präsident räumte zwar ein, dass die Verhandlungen in Pakistan „gut“ verlaufen seien, erklärte jedoch, Teheran habe sich geweigert, in der Frage seines Atomprogramms Zugeständnisse zu machen.
Ja, das war eher der Theorie halber. Dass das praktisch nur in Katastrophe enden würde ist uns allen klar.
Ist auch ein schwieriges Spiel, den anderen mehr zu behindern als man sich selbst dafür wirtschaftlich ins eigene Fleisch schneidet. Wir könnten glaube ich alle so viel besser dran sein, wenn nicht dauernd irgendwelche Astlöcher einander ausstechen wollten.
Wenn die anderen einen Aggressionskrieg dulden oder gar unterstützen sind sie aus Sicht des Verteidigers ebenfalls Ziele. Sonst sind sie Kollateralschäden der Notwehr, die das den USA anlasten sollten. Und wenn du nicht nah genug an das Ziel rankommst, um dich präziser zu verteidigen… Bei Ukraine sind wir alle eingesprungen und haben geholfen, aber Palästina schreit seit Jahren vergeblich um Hilfe.
Ja, ist beschissen, aber nicht ihre Schuld.
Laut https://www.worldstopexports.com/worlds-top-oil-exports-country/ waren das in 2024 21k USD. Klingt für mich danach dass der Stützpfeiler schon weggebrochen ist, wodurch wir wieder bei “haben nicht viel zu verlieren” wären.
Ich glaube, der Ansatz ist nicht primär das feine Kontrollieren sondern erstmal überhaupt das Stören. Das auf Dauer im Detail zu kontrollieren wäre erheblicher Aufwand bei der Menge an Schiffen, die normal durchfährt. Das geht, wenn man es als “begrenzte Ausnahme” einer Sperre macht, aber langfristig ist ja auch für Iran das Ziel, das wieder zu öffnen (nur halt nicht auf Kosten ihrer Souveränität).
Deswegen glaube ich nicht, dass das der Plan ist. Es reicht, wenn klar ist, dass sie zumachen können. In der Schrotflintenanalogie: “Solange auf mein Haus geschossen wird, ist die Straße nicht sicher.” Und das funktioniert auch wenn andere mitmachen.
Das sehe ich anders.
Die USA haben an der Region hauptsächlich das Interesse, dass Öl und Gas fließen. Das zu blockieren oder zu hemmen würde ihren eigenen Zielen schaden. Klar könnten sie eine Maut verlangen - das wird dann halt auf den Preis aufgeschlagen.
Iran hat hauptsächlich das Interesse, weiterhin zu existieren. Einen Krieg mit den USA zu riskieren würde das gefährden. Sie könnten sich die Blockade nicht leisten, wenn sie nicht eh schon im Kampf um ihr Überleben wären.
Wenn wie statt Iran China einsetzen, würde das schon mehr Sinn machen, von dem Risiko militärischer Eskalation abgesehen.
Selbst wenn die Weltgemeinschaft hinter Trump stünde, würde ein weiterer Golfkrieg massive Kosten fordern und signifikanten Schaden in der Region anrichten. Die Blockade ist ja nicht das einzige militärische Ziel. Bedenke, wie schwer es die Koalition schon in Irak hatte. Dann bedenke, dass Iran doppelt so viele Bürger hat, dreimal so groß ist und viel unwegsames Gelände hat, was eine Offensive auf dem Boden schwierig und teuer machen würde, selbst wenn sie keine Unterstützung von anderen Mächten bekämen, die dem US-Bündnis eine auswischen wollen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die politische Frage: Wie viele tausende Leben wollen wir diesmal opfern, um hoffentlich den Status Quo Ante wieder herzustellen?
(Abgesehen davon: Was hat Iran bei der Wette zu verlieren? Ihre Existenz steht ja schon auf dem Spiel.)
Das Regime in Teheran hat zumindest strategisch weniger den Ruf, unberechenbar und willkürlich wortbrüchig zu sein. Der Deal “Sanktionen gegen Atomwaffen” war für sie vorteilhaft, keine Frage, aber es bestanden vermutlich auch gerade deswegen laut der IAEA keine Indizien, dass sie sich nicht daran gehalten hätten (und verzeih mir, wenn ich den Behauptungen der USA, wer jetzt schon wieder vermeintlich Atomwaffen hätte, nicht mehr uneingeschränkt glaube).
Wenn ich überlege, wen ich aus sicherheitspolitischer Sicht eher beschwichtigen will, rechne ich mir doch bessere Chancen mit “Ich will vor allem überleben” als mit “Ich will alles haben - Kanada, Grönland, eigentlich soll mir die ganze EU zu Füßen liegen, Venezuella hab ich eh schon unterworfen und wer als nächstes dran ist muss ich mir noch einreden lassen - und mir sind alle Zusagen und Bündnisse egal.”
Iran wird die Blockade vermutlich im Gegenzug für Konzessionen aufheben. Bei den USA weiß ich nicht, ob die nicht nachher beschließen “Ach weißt du was, so ein Erpressungsschema ist doch eigentlich ganz nett. Fühlt sich nach Macht an. Ich mag Macht.”
Ja, Iran ist ein Problem und das Regime ist grausam zu seinen Bürgern. Die USA sitzen da leider gerade im Glashaus. Wir leiden auch drunter, wenn auch bisher weniger. Der ganze Scheiß geht so oder so auf den Nacken der Armen, und in diesem Fall sind die USA der Aggressor. Alle strategischen Überlegungen beiseite wäre das Grund genug, sie genauso zu verurteilen wie Russland.
Das stimmt. Tun sie aber, und offenbar werden es erst mal nicht weniger.
Naja… alle? Es gibt genügend Länder, die sich vornehm mit der Kritik zurückhalten. Von China, das das mit Rücksicht auf seinen Partner Russland bis heute nicht als “Angriffskrieg” bzw überhaupt “Krieg” bezeichnen will und stattdessen unter der Hand fröhlich dran verdient, bis zum besagten Iran, der auch keinerlei Probleme damit hat, Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ein für sie vollkommen unbeschriebenes Land vor unserer Haustür zu unterstützen. Und selbst in Europa haben wir Länder, die erstaunlich viel Verständnis dafür haben, dass Russland einfach mal mit Krieg seine Grenzen verschieben will, wie als wären wir wieder in den 40ern. Und den weitaus meisten Ländern auf der Welt ist es vollkommen egal. Vielleicht allenfalls mahnende Worte vor der UN. Das ist doch die Welt, in der wir längst leben: am Ende interessiert es keinen, gehandelt wird nur unter Zwang oder wenn es opportun ist
Ich hatte von ~1.3 Mio Barrel pro Tag 2025 gelesen.
So wie ich die Äußerungen des Iran verstehe, möchte man das als dauerhaftes System etablieren, um sich eine ständige Einnahmequelle zu eröffnen. Und das wird wohl wenig Anklang bei den anderen Ländern finden. Denn es würde nicht zuletzt ein System normalisieren, nach dem Länder plötzlich nach Gutdünken in das Gemeingut freier Schiffsverkehr eingreifen, um sich zu bereichern. Das ist in niemandes Interesse.
Dann missverstehst du mich vielleicht: es geht mir darum, dass es bei dieser spieltheoretischen Betrachtung egal ist, welche Seite (aus welchen Gründen auch immer) zuerst den Schritt der Blockade + “Maut” geht. In beiden Fällen hat die jeweils andere Seite einen immensen Anreiz, ebenfalls zu blockieren und damit das System des ersten zu zerstören. Vergleich es vielleicht mit Atomwaffen: wenn die eine Seite es nutzen will, muss die andere Seite glaubhaft machen, dass sie es ebenfalls tut. Nur dann entsteht die Situation, dass sich keine Seite mehr einen Nutzen daraus erhoffen kann und darin eine gangbare Option sieht.
Hat er doch schon. Die Amerikaner und Israelis haben den Iran massiv bombardiert, der Iran dafür die Rohstoff-Infrastruktur der anderen Golfstaaten angegriffen. Die Schäden und Kosten, die Eskalation sind längst da, das “Eis” also längst gebrochen.
Wohl niemand ist so willkürlich wortbrüchig wie Trump. Aber ein Iran, der mit Raketen eine 4000km entfernte Militärbasis angreift, obwohl er jahrelang beteuert hat, gar kein Raketenprogramm dieser Reichweite zu besitzen oder anzustreben und deswegen die Sanktionen unberechtigt wären, der sich mit seinem Nuklearprogramm zumindest “sehr intransparent” verhalten hat, steht jetzt in der internationalen Liste des Vertrauens auch nicht wirklich weit oben. Dazu kommt, dass die USA wirtschaftlich erheblich mächtiger sind und sich die wenigsten Länder eine offene Feindschaft mit ihnen leisten können, während der Iran international bereits weitestgehend isoliert ist.
Da hast du Recht, das war falsch formuliert. Eurozentrisch betrachtet wäre das eine rhetorische Hyperbel, aber den Rest der Welt sollte ich natürlich nicht unterschlagen. So ausgedrückt stimmt das schlichtweg nicht.
Der Artikel erwähnt aber auch den verheerenden Effekt der Sanktionen. Wie gesagt: Die Säule scheint schon weggebrochen zu sein, also nicht mehr viel zu verlieren.
Absolut. Der übliche Weg, dem beizukommen, wäre dann Diplomatie unter Androhung (weiterer) Sanktionen oder Gewalt. Und genau das hätte ich als Absicht hinter diesen Äußerungen vermutet: Eine starke Verhandlungsbasis für Diplomatie schaffen.
Sprich: Wenn das positive Equilibrium erst verloren ist, stellt das negative eine Verbesserung / Schadensbegrenzung dar?
Ich denke schon, dass ich dich richtig verstehe; ich halte das jedoch nicht für ein symmetrisches Spiel.
Isoliert betrachtet, ja, volle Blockade negiert den Profit der Maut. Im konkreten Beispiel glaube ich aber, dass der Nutzen der Blockade / Maut für Iran höher ist als für die USA. Die Maut erhöht Ölpreise auf dem Weltmarkt, was auch die USA trifft (oder zumindest ihre Bürger, die Ölhändler freuen sich natürlich).
Da die USA insgesamt mehr Wirtschaftsmacht hat, bringen ihr die Maut-Erlöse weniger; da sie aber mehr Öl verbraucht, trifft die Preiserhöhung sie stärker. Sie einzurichten schadet den US-Interessen, völlig egal wer sie erhebt. Wenn beide das tun und noch weniger durchkommt, steigen die Preise noch weiter, und der wirtschaftliche Druck mit ihnen.
Das Equilibrium hätte ich vielmehr hier gesehen: Wenn Iran die Straße blockiert, egal ob die USA das auch tun, riskieren sie Krieg mit ihnen, weil sie deren Öl-Interessen schaden. Haben die USA erstmal den Krieg begonnen, ist es logisch für Iran, die Straße zu blockieren. Folglich wäre es logischer gewesen, den Krieg gar nicht anzufangen, damit die Gefahr der Eskalation weiterhin als Abschreckung dient, aber so sind sie jetzt in dem negativen Equilibrium gefangen.
Der Ausweg wäre entweder ein Friedensabkommen, das die Straße wieder öffnet, aber schätzungsweise noch übler wäre als der vorige Iran-Deal (von dem mangelnden Vertrauen in die Abkommenstreue der USA mal abgesehen), oder eine Kapitulation der USA, weil sie den Krieg nicht weiter fortführen können (wobei das die Straße nicht öffnen würde, sondern nur dem Iran einen Freifahrtschein für die weitere Kontrolle und entsprechend Hebelkraft für Verhandlungen geben würde).
Bezogen die Sanktionen sich nicht primär auf das Atomprogramm, das Iran laut der IAEA bereits 2003 suspendierte, was sie 2015 abschließend zertifizierten und im Rahmen des JCPOA fortlaufend überwachten, bis die USA 2018 die Sanktionen wieder einsetzten, unter der Behauptung, dass Iran sich…
…, welche von Israel ausging, das aufgrund von persönlichen Interessen keine zuverlässige Quelle darstellt, und der die IAEA entschieden widersprach, unter Verweis auf den erwähnten Bericht und die intensiven Überwachungsmaßnahmen, woraufhin Iran 2019 seine Absicht verkündete, das Programm wieder aufzunehmen, dabei die IAEA-Inspektionen weiter zuließ, jede Überschreitung von Grenzwerten des Abkommens bekanntgab und somit selbst beim Verletzen und Kündigen des Deals das Musterbild der Transparenz war?
Sorry, nachdem Irak offenbar doch keine WMD hatte, neige ich hier eher dazu, der IAEA zu glauben als den Herren “Mein Heiliges Land” und “Ich mag den nicht”.
Da hast du recht. Fraglich ist nur, ob der Iran wirklich langfristig auf diese Säule verzichten kann. Die blutig niedergeschlagenen Proteste Anfang des Jahres hatten ihren Ursprung ja in der desolaten wirtschaftlichen Lage.
Die könnte aber auch dazu führen, dass es immensen Druck geben wird, dass man sicherstellt, dass der Iran das nie wieder machen kann. Wir haben schon jetzt Stimmen von anderen Golfstaaten, die klar sagen, dass ein reiner Waffenstillstand nicht reicht, sondern das “Problem” (damit meinen sie Iran bzw dessen Bedrohungspotential) endgültig gelöst werden muss. Mit dieser Ankündigung stellt der Iran in Aussicht, sich auch nach den Kriegshandlungen nicht an bisherige etablierte internationale Regeln halten zu wollen. Das kann auch nach hinten losgehen.
Genau! Bzw sogar noch perfider: nur der Schritt ins negative Äquilibrium eröffnet die Möglichkeit, irgendwann wieder ins positive zu wechseln, da keine Seite mehr vom Ungleichgewicht profitiert.
Natürlich wäre das logischer gewesen. Dieser Krieg ist ja nicht nur illegal, sondern komplett töricht. Außer sinnloser Zerstörung konnte kein einziges strategisches Ziel erreicht werden. Stattdessen sitzt ein Regime, das Anfang des Jahres noch zehntausende seiner Bürger in den Straßen erschoss, um zu überleben, nun fester im Sattel als vorher und die Weltwirtschaft ist im Klammergriff. Aber der Krieg wurde angefangen und nun kann man sich nur noch innerhalb dieser Möglichkeiten entscheiden. Und da ist das negative Gleichgewicht die logischste Alternative für den “Spieler”, wenn der andere den Zug der Blockade gemacht hat.
Ein Teil der Bestimmungen der Sanktionen ist, dass der Iran keine Raketen entwickeln oder besitzen darf, die im Zusammenhang mit einem Nuklearwaffenprogramm genutzt werden können. Bisher war die Aussage der iranischen Seite, dass man ein Raketenprogramm dieser Reichweite überhaupt nicht hätte.
Es sind ja nicht nur israelische Quellen, die zu recht sehr skeptisch behandelt werden müssen. Aber zB 2009 wurde die Existenz einer weiteren Anreicherungsanlage in Fordo bekannt, die der Iran bisher vor der IAEO verborgen hatte. Und obwohl der Iran stets ein rein ziviles Atomprogramm beteuert, berichtet die IAEO von mehreren Hundert Kilo auf 60% angereichertem Uran. Für zivile Energiegewinnung ist das nicht nötig. Man muss keinesfalls das Verhalten der Amis oder Israelis gutheißen, aber der Iran verhält sich hier seit Jahren höchst suspekt und intransparent!
Vermutlich nicht, nein. Daher meine Annahme, dass er auf Verhandlungen abzielt, um die Sanktionen loszuwerden. Dann könnte er auch wieder vom Handel profitieren, bräuchte die Einnahmequelle der Zölle weniger und hätte die Drohung weiterhin als Verhandlungsmittel, falls sie ausreichend in die Ecke gedrängt werden, dass sich das wieder lohnen würde.
Klar können die Golfstaaten das sagen. Stellen sie auch die Soldaten, Waffen, Logistik usw.? Wie gesagt, Irak war schon teuer, Iran wird nicht billiger.
Iran ist, global betrachtet, “nur” ein lokales Problem, solange sie keine Atomwaffen haben. Entsprechend unzufrieden waren Saudi-Arabien und Israel bereits mit dem JCPOA, der Iran lokal Freiheiten gewährte im Austausch für globale Sicherheit (zumindest ein Stück weit).
Natürlich werden sie also jetzt Forderungen stellen, die für sie und ihre nationale Sicherheit und Interessen von Vorteil sind, genau wie alle anderen. Ob sie ihre Forderungen letztlich auch durchsetzen können, wird sich zeigen. Ich rechne ihnen da keine hohen Chancen zu - der Rest der Welt wird wahrscheinlich zufrieden sein, wenn sie das Atomproblem eliminiert bekommen - aber ich hab natürlich viel weniger Wissen und Erfahrung als die Diplomaten und Strategen, die solche Stimmen verlauten lassen.
Gut, da werden wir uns wohl nicht einig, aber ich glaube nicht, dass das ein Equilibrium ist, weil es den USA mehr schadet, den Preis noch weiter hochzutreiben.
Die Frage ist letztlich, ob die Einnahmen Irans relativ zu ihrem Haushalt größer sind als der Schaden, den die USA (und andere) durch die doppelte Blockade erleiden. Letzteres ist schwer zu beziffern, wenn nicht absehbar ist, welche politischen Kosten das hat; ersteres ist schwer zu messen, wenn man nichts messen kann. Diese Unsicherheiten ziehen sich halt durch die ganze Situation: es ist ein morbides Poker mit blutigen Einsätzen.
Das waren die Forderungen, die die USA 2017 nachgeschoben hatte. Ich meine, Iran hatte nie verkündet, diesen folgen zu wollen, sondern wollte beim ursprünglichen Deal bleiben, der das nicht vorsah. Reuters zitiert hier eine Forderung an die Europäischen Mächte:
Betonung durch mich hier darauf, dass sie das explizit nicht versprechen wollten. Kann natürlich sein, dass ich seitdem Aussagen übersehen habe.
Auch das erwähnt der Bericht des Direktors von 2015, in dem er zertifizierte, dass Iran in 2015 keine Programme mehr am Laufen habe. Dass die IAEA das vor 2009 nicht wusste ist sekundär, wenn der JCPOA erst ab 2015 umfangreiche Inspektionen ermöglichte. Ihre Untersuchung befand unter anderem:
Ja, richtig, das hat auch der Iran selbst nicht nur 2019 als Absicht erklärt sondern 2022 explizit verkündet nachdem die USA ihre Kooperation 2018 zurückgezogen hatte und die Sanktionen wieder eingesetzt hatte. Unmittelbar davor hatte die IAEA ein Statement veröffentlicht, in dem sie erneut bestätigen, dass Iran das damals (2018) nicht hatte.
Erst nachdem Netanyahu das behauptet hatte, Trump wie ein braver Hund auf den Plan schiss und es ein Jahr später immer noch nicht geschafft hatte, ihnen ein auch nur irgendwie verhandelbares neues Angebot zu machen, haben sie angefangen, die Anschuldigungen wahrzumachen. Gleiches Spiel wie die Straße von Hormuz: Die USA verhängen die Strafe, brechen aus dem Equilibrium aus, und Iran zieht logisch nach.
Iran hatte sich an die Spielregeln gehalten, bis Trump die Regeln unvermittelt ändern wollte, dann nicht mehr mitspielte, alle weiteren Verhandlungen sabotierte und waren selbst dann noch transparent, als sie erklärt haben, dass sie dann auch nicht mehr mitspielen wollen.
Das ist nicht “seit Jahren suspekt”. Das ist seit Jahren ein sehr offenes “ihr mich auch”.
Ja, aber nur wenn die USA ebenfalls blockieren, wird es wirklich zu einem Problem, das alle Seiten trifft und von dem sich nicht eine Gruppe Länder mit guten Verbindungen zum Iran “freikaufen” können. Du siehst es jetzt ja schon: China hat den Iran eindrücklich gebeten, den freien Schiffsverkehr wieder zu ermöglichen. Ob sie das auch getan hätten, wenn der Iran mit seiner Willkür-Maut ein System geschaffen hätte, was zumindest für die Chinesen funktioniert? Insofern würde ich es schon Äquilibrium nennen, denn es sorgt dafür, dass sich der Druck gleichmäßiger als vorher verteilt und keine Seite den Nachteilen entgehen kann.
Jain. Die UN-Resolution 2231 hatte auch schon Raketen angesprochen. Darum haben sich 2016 auch nicht nur die Amis, sondern auch UK, FR und DE darüber bei der UN beschwert, weil die Raketentests nach Abschluss des Deals für sie gegen diese Bestimmungen verstoßen haben. Die Amis haben es dann danach explizit als Forderung aufgenommen, während es in der ursprünglichen Resolution 2231 nur eine Nebenrolle spielte. Dass auf zumindest einer dieser Raketen groß auf hebräisch “Israel muss vom Angesicht der Erde getilgt werden” geschrieben stand, hat auch nicht unbedingt geholfen…
Warum sollte man das tun? “Ihr unterstellt uns zu unrecht Sachen und zur Strafe machen wir jetzt das, was ihr uns unterstellt!”??
Dass der Iran es öffentlich ankündigt, macht die Sache nicht wirklich besser. Diese Form der Anreicherung macht nur Sinn, wenn man Nuklearwaffen anstrebt. Ärger über Amis hin oder her, dem Iran wurde durch die Weltgemeinschaft im Rahmen der UN diese Bewaffnung verboten. Tut er es trotzdem, und danach sieht es aus, ist er nicht das Opfer, dessen Hand irgendwie geführt wurde, sondern trägt die Verantwortung für seine Taten.
Wie gesagt: die Raketensache ist zumindest umstritten.
Trotzdem haben sie die Sanktionen, die die USA 2018 (wieder) verhängt haben, nicht mitmachen wollen. Aber gut, da haben die Parteien wohl einen Punkt unterschiedlich eingeschätzt.
Nein, bestimmt nicht. Israel sitzt da im Glashaus, aber das rechtfertigt den gegenseitigen Hass nicht wirklich, und Zivilisten ins Ziel zu nehmen schon dreimal nicht.
Die Sanktionen sind die Strafe. Das Atomprogramm ist der Verstoß, der dadurch bestraft werden sollte. Es ging ja nicht nur um Unterstellung, sondern um Bestrafung aufgrund dieser Unterstellung.
In Spieltheorie-Begriffen: Es gab ein Äquilbrium, die USA haben es zerstört weil es Netanyahu nicht gut genug war.
Das Spiel besteht aus den Entscheidungen “Atomwaffen?” für Iran und “Sanktionen?” für die UN (bzw. hier hauptsächlich USA). Das positive Äquilbrium wäre “Nein/Nein” (Kooperation), was auch das Ziel der Resolution war.
Wenn die USA sich aber entscheiden, die Kooperation zu beenden, hat der Iran nichts mehr davon, seinen Teil des Plans weiter durchzuziehen und nachher Arm und unbewaffnet dazustehen. Das Programm wieder aufzunehmen was also ein Versuch, den Gegendruck aufzubauen, damit erneute Verhandlungen nötig sind.
Genau wie die Gegenblockade mag das als strategischer Zug Sinn machen, aber beschissen ist es natürlich trotzdem.
Klar, die Mächtigen wollen nicht teilen. Haben ja auch Ukraine dazu bekommen, ihre abzugeben. Ich kann dem Iran nicht verdenken, dass er den Fehler nicht auch machen will. In unserer Welt heute sind halt Atomwaffen leider die effektivste Abschreckung, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.
Mein Punkt ist nicht, dass er nicht verantwortlich für seine Taten wäre. Die Sanktionen hatten aber, soweit die Experten das beurteilen, ihren Hauptzweck (Atomwaffen verhindern) erzielt und Iran gezwungen, einzulenken. Die Lösung war nicht optimal, aber die sprichwörtliche Bombe war zumindest entschärft. Wofür ich die USA verantwortlich mache ist, dass sie wieder tickt.
Die Raketensache, ja, war aber nicht der Vorwand, die Sanktionen wieder einzusetzen.
Die Behauptung Netanyahus, auf die hin Trump die Sanktionen hat wieder einsetzen lassen, war, dass Iran eine “geheimes” Atomprogramms vor der IAEA versteckt hätte, wobei die vorgebrachten “Beweise” nur etwas beschrieben, was die IAEA schon kannte.
Die Medien haben das oft brav nachgeplappert. Bei dir hats ja auch funktioniert: Du hattest den Eindruck, dass Iran sich suspekt oder intransparent verhalten hätte, obwohl sie seit mehr als zehn Jahren das Musterbild an Transparenz sind. Mittlerweile halt transparent beschissen.
Weil die Europäer tatsächlich am Abkommen interessiert waren. Aber das hätte ihre Meinung zum Raketenprogramm nicht geändert, denn dieses sahen sie von bisherigen Sanktionen ja gedeckt.
In einer Welt, in der es nur Iran und die USA gibt, würde ich dir zustimmen. Aber der ganzen restlichen Welt den Mittelfinger zu strecken, weil amerikanische Hardliner den Deal beenden (den btw die iranischen Hardliner ebenso kritisch sahen), macht für mich keinen Sinn. Zumal es dabei um eine Waffe geht, die die internationale Gemeinschaft dem Iran nicht durchgehen lassen wird. Der Iran macht sich so zum Feind der Welt und stärkt argumentativ genau die Hardliner und Gegner des Irans, die eine harte Lösung fordern (deren zuerst aus der Luft gegriffenen Behauptungen plötzlich nämlich zutreffen) und verhindert viel effektiver die Rückkehr des Irans ins normale Gefüge der Nationen als es jeder Alleingang der Amerikaner jemals hätte schaffen können. Das ist dumm.
Ich schon. Denn, siehe oben, schreibt der Iran auf seine Raketen nicht etwa “bitte lasst uns leben”, sondern “Tod Israel”. Ein Land, dessen oberste Führer seit Ewigkeiten direkt und indirekt die Auslöschung eines anderen Staates als Staatsziel formuliert haben, darf und wird so eine Waffe nicht besitzen. Da war sich sogar mal die UN einig. Der Iran könnte heute den Verzicht auf die nukleare Bewaffnung verkünden und diejenigen Staaten, die an einem normalen Verhältnis mit dem Iran interessiert sind, würden direkt normalere Beziehungen mit ihm aufnehmen. Das ist wohl nicht Amerika, aber who cares? Will der Iran stattdessen wirklich auf diesem Hügel sterben?
Es gibt keinen Automatismus zwischen “USA setzen aus innenpolitischen Gründen neue Sanktionen in Kraft” und “Iran schmeißt die Zentrifugen an um waffenfähiges Uran zu produzieren”. Die USA haben sich dumm verhalten, indem sie aus dem Abkommen ausgestiegen sind, aber seinen Weg aus dem Abkommen und zur Bombe wiederum ging Iran selber.
Ganz plötzlich war das nicht: Ein Jahr nachdem die USA sich zurückgezogen hat, hat es angefangen anzureichern, Schritt für Schritt eskalierend. Mit Hochdruck, weil du völlig Recht hast, dass der Rest ihnen das nicht einfach so durchgehen lassen will, und Zeit kostbar wird, wenn Sanktionen schon in Kraft sind.
Allerdings hast du auch Recht, dass Nationalismus / Fanatizismus eine Rolle gespielt haben werden. Da könnten wir jetzt spekulieren, welche innenpolitische Rolle das gespielt haben wird, Stärke gegen Israel und die USA zeigen zu wollen. Dumm ist es so oder so, da sind wir uns eh einig.
Das wirft die Frage auf, wie dieses Land sich gegen andere Länder verteidigen soll, die umgekehrt genauso seine Auslöschung im Sinn haben. Ohne die Historie bewerten zu wollen (da sind wir vermutlich eh ähnlicher Ansicht) befinden Iran und Israel sich hier jetzt in der gleichen Patsche: Ein lokaler Rivale will sie vernichten. Israel hat eine Atommacht als Verbündeten. Auf wen kann Iran zählen, sich Israel und damit den USA entgegenzustellen? Und welche Alternative haben sie sonst?