KI-generierte „Patriotinnen" pushen AfD-Narrative – und leiten direkt zu Onlyfans weiter. Die neueste rechtsextreme Manipulation: Fake-Influencerinnen, die Deportationsfantasien hinter Sex verschleiern.
Ich bin vor ca. einer halben Stunde von einer kurzen Zugfahrt (von der Arbeit) nach Hause gekommen. In meinem Blickfeld habe ich sechs Personen gesehen, eine davon war ich, alle sechs haben die gesamte Zugfahrt auf das Smartphone gestarrt.
Ich selbst bin meinen Mastodon-Feed durchgegangen und hab dabei sogar zwei Artikel entdeckt, die ich auf Lemmy weitergepostet habe. Mein Sitznachbar hat ein Video geschaut, ich habe nicht erkannt, auf welcher Plattform oder wovon das Video gehandelt hat. Was die anderen vier gemacht haben, weiß ich nicht.
Der Punkt ist halt, dass heutzutage fast die gesamte Bevölkerung sehr viel Zeit damit verbringt, auf das Smartphone zu schauen. Viele wohl sogar mehr, als fernzusehen oder Zeitung zu lesen oder auf Werbeplakate in der Öffentlichkeit zu schauen.
Und die meisten dieser Leute verbringen halt einen großen Teil ihrer Zeit auf algorithmengesteuerten, werbefinanzierten Plattformen. Was die Leute dort sehen, lässt sich also relativ einfach manipulieren, wenn man Geld hat, um mittels Werbung Reichweite dort zu kaufen, oder die Algorithmen ausreichend versteht, um sogar ohne solche Ausgaben seine Inhalte möglichst vielen Leuten zu zeigen.
Als ich in den 2000ern angefangen habe, viel Zeit im Internet zu verbringen, gab es (zumindest da, wo ich war) noch keine Empfehlungsalgorithmen, sondern ich hab mir selbst aussuchen müssen (und dürfen und können), welchen Blogs, Websites, Foren, etc. ich folge. Ich will wissen, wer genau jemals nach Empfehlungsalgorithmen gefragt hat. Ich nämlich nicht.
Ich bin froh, dass ich auf Mastodon und Lemmy nur das sehe, dem ich ausdrücklich folge. Natürlich könnte auch dort jemand in Communitys bzw. Hashtags spammen, aber dann könnte ich das relativ einfach blockieren, zur Not der Community bzw. dem Hashtag wieder entfolgen.
Ich bin auch der Meinung, dass die Aufmerksamkeitsökonomie auch langfristig ein Problem für die kognitiven Fähigkeiten sein muss. Früher war das Finden von Informationen ein aktiver Akt; wir mussten uns selber überlegen, was uns interessiert, wir mussten darüber nachdenken, wie man danach sucht und mit welchen Begriffen wir auf Webseiten kommen, auf denen es die relevanten Informationen gibt, die uns interessieren. Heute wird man einfach endlos mit Content zugedröhnt, den man schon 10 Minuten später wieder vergessen hat, um Platz für den nächsten Content zu schaffen. Leute sagen mal gerne, dass sie “was interessantes” auf YouTube gesehen haben, aber es ist vollkommen passives und daher eindimensionales Wissen. Das Internet stellt sich gerne als die endlose Bibliothek dar, aber sobald der Prozess, sich für den Inhalt dieser Bibliothek zu bemühen, verschwindet, wird jedes Wissen darin wertlos.
Naja, die Argumentation blendet halt den Umstand aus, dass es Fernsehen seit mehr als 70 Jahren gibt, Radio sogar noch länger, und das immer schon so funktioniert hat, dass man sich nicht aktiv um den Inhalt bemühen muss, sogar noch weniger als im (sogar im heutigen) Internet, sondern ausschließlich passiv “zugedröhnt” wurde.
Ich bin natürlich kein Experte für Psychologie, glaube aber nicht, dass das “endlöse Zudröhnen mit Content” an sich ein Problem ist. Das Problem ist, dass im heutigen kommerziellen Internet zu wenig vorhersehbar ist, was wie vielen und welchen Leuten angezeigt wird.
In der analogen Welt konnte jedes Wahlkampfteam relativ einfach beobachten, welche Botschaften die konkurrierenden Wahlkampfteams so unter die Leute bringen. Zeitungen, Werbeplakate, Fernsehwerbung war alles für alle Bürger gleich. Im Internet ist es möglich, Werbung (auch Wahlwerbung) zielgerichtet auf bestimmte Teile der Bevölkerung auszurichten, sodass der restliche Teil der Bevölkerung und auch konkurrierende Wahlkampfteams das vielleicht gar nicht mitbekommen und nicht darauf antworten können. Wenn ich auch grundsätzlich noch immer an die demokratisierende Wirkung des Internets glaube, so anerkenne ich schon, dass das ein gewisses Problem ist.
Deine Aspekte sind auch wahr, aber es sind auch nochmal andere Dimensionen. Auch bei Radio und TV wurden schon ähnliche Probleme benannt; das Fernsehen gilt ja nun wirklich auch nicht als der Zenit der Bildungskommunikation und Adorno hat schon in den 30ern über die Tendenz des Radios gemeckert, dass es das ästhetische Verständnis verwässert. Ich gebe dir recht, dass das mit dem modernen Internet nicht neu ist, aber es ist nochmal eine Steigerung der vorherigen Probleme, statt eine Bekämpfung jener. Bestenfalls war das frühe Internet zu sehr ‘anders’ als das TV, also hat man es mit den heutigen Algorithmen bezüglich des passiven Konsums dem TV angeglichen.
Es sind verschiedene Probleme und vielleicht kann man auch sagen, dass manche Probleme größer und relevanter sind als andere. Aber dass es meinen beschriebenen Effekt gibt, glaube ich schon.
War schön zu lesen zu welch netter Unterhaltung mein blödelwitz euch gebracht hat. Um einen Rahmen zu spannen. Ich sollte wohl besser weiter schlafen. Mal schauen wie die Ökonomie dann in 10 Jahren aussieht.
Ich bin die ganze Zeit wach gewesen und frage mich dasselbe. Wzf sind wir hierher gekommen?
Aufmerksamkeitsökonomie.
Ich bin vor ca. einer halben Stunde von einer kurzen Zugfahrt (von der Arbeit) nach Hause gekommen. In meinem Blickfeld habe ich sechs Personen gesehen, eine davon war ich, alle sechs haben die gesamte Zugfahrt auf das Smartphone gestarrt.
Ich selbst bin meinen Mastodon-Feed durchgegangen und hab dabei sogar zwei Artikel entdeckt, die ich auf Lemmy weitergepostet habe. Mein Sitznachbar hat ein Video geschaut, ich habe nicht erkannt, auf welcher Plattform oder wovon das Video gehandelt hat. Was die anderen vier gemacht haben, weiß ich nicht.
Der Punkt ist halt, dass heutzutage fast die gesamte Bevölkerung sehr viel Zeit damit verbringt, auf das Smartphone zu schauen. Viele wohl sogar mehr, als fernzusehen oder Zeitung zu lesen oder auf Werbeplakate in der Öffentlichkeit zu schauen.
Und die meisten dieser Leute verbringen halt einen großen Teil ihrer Zeit auf algorithmengesteuerten, werbefinanzierten Plattformen. Was die Leute dort sehen, lässt sich also relativ einfach manipulieren, wenn man Geld hat, um mittels Werbung Reichweite dort zu kaufen, oder die Algorithmen ausreichend versteht, um sogar ohne solche Ausgaben seine Inhalte möglichst vielen Leuten zu zeigen.
Als ich in den 2000ern angefangen habe, viel Zeit im Internet zu verbringen, gab es (zumindest da, wo ich war) noch keine Empfehlungsalgorithmen, sondern ich hab mir selbst aussuchen müssen (und dürfen und können), welchen Blogs, Websites, Foren, etc. ich folge. Ich will wissen, wer genau jemals nach Empfehlungsalgorithmen gefragt hat. Ich nämlich nicht.
Ich bin froh, dass ich auf Mastodon und Lemmy nur das sehe, dem ich ausdrücklich folge. Natürlich könnte auch dort jemand in Communitys bzw. Hashtags spammen, aber dann könnte ich das relativ einfach blockieren, zur Not der Community bzw. dem Hashtag wieder entfolgen.
Ich bin auch der Meinung, dass die Aufmerksamkeitsökonomie auch langfristig ein Problem für die kognitiven Fähigkeiten sein muss. Früher war das Finden von Informationen ein aktiver Akt; wir mussten uns selber überlegen, was uns interessiert, wir mussten darüber nachdenken, wie man danach sucht und mit welchen Begriffen wir auf Webseiten kommen, auf denen es die relevanten Informationen gibt, die uns interessieren. Heute wird man einfach endlos mit Content zugedröhnt, den man schon 10 Minuten später wieder vergessen hat, um Platz für den nächsten Content zu schaffen. Leute sagen mal gerne, dass sie “was interessantes” auf YouTube gesehen haben, aber es ist vollkommen passives und daher eindimensionales Wissen. Das Internet stellt sich gerne als die endlose Bibliothek dar, aber sobald der Prozess, sich für den Inhalt dieser Bibliothek zu bemühen, verschwindet, wird jedes Wissen darin wertlos.
Naja, die Argumentation blendet halt den Umstand aus, dass es Fernsehen seit mehr als 70 Jahren gibt, Radio sogar noch länger, und das immer schon so funktioniert hat, dass man sich nicht aktiv um den Inhalt bemühen muss, sogar noch weniger als im (sogar im heutigen) Internet, sondern ausschließlich passiv “zugedröhnt” wurde.
Ich bin natürlich kein Experte für Psychologie, glaube aber nicht, dass das “endlöse Zudröhnen mit Content” an sich ein Problem ist. Das Problem ist, dass im heutigen kommerziellen Internet zu wenig vorhersehbar ist, was wie vielen und welchen Leuten angezeigt wird.
In der analogen Welt konnte jedes Wahlkampfteam relativ einfach beobachten, welche Botschaften die konkurrierenden Wahlkampfteams so unter die Leute bringen. Zeitungen, Werbeplakate, Fernsehwerbung war alles für alle Bürger gleich. Im Internet ist es möglich, Werbung (auch Wahlwerbung) zielgerichtet auf bestimmte Teile der Bevölkerung auszurichten, sodass der restliche Teil der Bevölkerung und auch konkurrierende Wahlkampfteams das vielleicht gar nicht mitbekommen und nicht darauf antworten können. Wenn ich auch grundsätzlich noch immer an die demokratisierende Wirkung des Internets glaube, so anerkenne ich schon, dass das ein gewisses Problem ist.
Deine Aspekte sind auch wahr, aber es sind auch nochmal andere Dimensionen. Auch bei Radio und TV wurden schon ähnliche Probleme benannt; das Fernsehen gilt ja nun wirklich auch nicht als der Zenit der Bildungskommunikation und Adorno hat schon in den 30ern über die Tendenz des Radios gemeckert, dass es das ästhetische Verständnis verwässert. Ich gebe dir recht, dass das mit dem modernen Internet nicht neu ist, aber es ist nochmal eine Steigerung der vorherigen Probleme, statt eine Bekämpfung jener. Bestenfalls war das frühe Internet zu sehr ‘anders’ als das TV, also hat man es mit den heutigen Algorithmen bezüglich des passiven Konsums dem TV angeglichen.
Es sind verschiedene Probleme und vielleicht kann man auch sagen, dass manche Probleme größer und relevanter sind als andere. Aber dass es meinen beschriebenen Effekt gibt, glaube ich schon.
War schön zu lesen zu welch netter Unterhaltung mein blödelwitz euch gebracht hat. Um einen Rahmen zu spannen. Ich sollte wohl besser weiter schlafen. Mal schauen wie die Ökonomie dann in 10 Jahren aussieht.
De Ökonomie in 10 Jahren: