Ich bin ein wenig irritiert, denn ich hätte jetzt erwartet, dass eine Dunkelfeldstudie versucht zu ermitteln, wie viele Straftaten tatsächlich erfolgen im Vergleich zur strafprozessualen Behandlung. Jedoch ist der ind der Studie zugrunde gelegte Gewaltbegriff ein anderer als im Strafrecht:
Der Begriff “Gewalt” wird in den Sozialwissenschaften und im Strafrecht unterschiedlich verwendet. Während für das deutsche Strafrecht Gewalt überwiegend als körperliche oder zumindest körperlich wirkende Zwangseinwirkung verstanden wird, umfasst der sozialwissenschaftliche Gewaltbegriff ein breiteres Spektrum an Handlungen, die neben körperlicher Gewalt auch die Machtgefälle ausnutzende und grenzüberschreitende Verhaltensweisen umfassen und sowohl zu körperlichen als auch zu psychischen Folgen für die Betroffenen führen können. Gewalt liegt vor, wenn Handlungen darauf abzielen, andere Personen zu verletzen, zu schädigen oder in ihrer Selbstbestimmung zu beinträchtigen. Dadurch umfasst Gewalt in den Sozialwissenschaften beispielsweise auch Formen psychischer Gewalt (z. B. emotionale, kontrollierende oder ökonomische Gewalt), die sich auch unterhalb der Schwelle zur Strafbarkeit bewegen oder gänzlich außerhalb strafrechtlicher Normierung liegen können. Dieses Begriffsverständnis ermöglicht es, Gewalterfahrungen in Deutschland umfassend und differenziert zu erfassen.
LeSuBiA folgt – in Anlehnung an die sozialwissenschaftliche Gewaltforschung – einem breit angelegten Gewaltverständnis, das über den strafrechtlichen Gewaltbegriff hinausgeht und teilweise auch nicht strafbewehrte Formen von (psychischer, digitaler und sexualisierter) Gewalt erfasst und damit eine geeignete Grundlage für sowohl Forschung als auch Praxis bietet.
Das bedeutet doch, dass das Ergebnis “Weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen werden angezeigt” wenig Aussagekraft hat, wenn es sich schon gar nicht um strafbares Verhalten handelt, eine Anzeige also folgenlos (im strafprozessualen Sinne) bleibt. Über die Sinnhaftigkeit eines so weiten Gewaltbegriffs lässt sich sicher auch sehr gut streiten - wie der Meinungsstand in den Sozialwissenschaften ist, weiß ich nicht.
Naja, die Studie unterscheidet schon zwischen den Gewaltformen, also sollte eine Einordnung schon möglich sein, wenn man die Zahlen zu physischer Gewalt gegen Strafzahlen hält, wenn ich das richtig verstanden habe.
Ja, aber trotzdem werden ja alle Vorfälle iSe weiten Gewaltbegriffs gezählt, dann geschaut, wie viele Anzeigen es gibt und das sind dann lediglich 10 %.
Bitte lies doch tatsächlich die Studie, dann siehst du, dass die Leute, die die Studie gemacht haben, sich tatsächlich ein bisschen mit dem Thema auseinander gesetzt haben, und nicht so blöd sind wie du nach 5 Minuten Investment denkst.
Diese <10% beziehen sich nämlich natürlich auf anzeigbare Gewalterfahrungen, nicht auf die Gesamtheit der Vorfälle.
Das hättest du ziemlich einfach rausfinden können indem du dir die tatsächliche Quelle anschaust: https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Publikationsreihen/Forschungsergebnisse/260210_LeSuBiA_Ergebnisse_I.pdf?__blob=publicationFile&v=7
Wenn das so ist, danke für den Hinweis. Die PM ist ja aber gerade dafür da, dass ich mir nicht die Studie durchlesen muss, um dann “ziemlich einfach” in den 138 Seiten die richtige Stelle zu finden. Insofern wäre auch von dir eine Seitenangabe nützlich gewesen. Denn nein: Es ist nicht meine Aufgabe, das zu durchdringen, denn dafür werde ich nicht bezahlt und habe ehrlich gesagt keine Zeit. Das sieht bei den zuständigen Stellen halt ganz anders aus, deshalb ist es ihre Aufgabe, da klar zu machen. Z.B. an der von mir zitierten Stelle, wo der Gewaltbegriff beschrieben wird. Oder man hätte es in der Überschrift oder Unterüberschrift oder wo auch immer verdeutlichen können.
Generell gesagt: Wenn ein Artikel oder eine Pressemitteilung zu einer seriösen Forschung offensichtlich fehlende Informationen beinhaltet, die ein Laie beim schnellen Drüberschauen sieht, dann liegt das daran, dass der Artikel oder die Pressemitteilung nicht von den Forschern geschrieben wurde und der Autor des Artikels/der Pressemitteilung selbiges Detail einfach vergessen hat.
Sowohl der Artikel als auch die Pressemeldung werden nämlich üblicherweise von Journalisten/PR-Leuten geschrieben, die nur oberflächliches Wissen über die Forschung haben. Die haben die jeweilige Quelle kurz überflogen und schreiben dann eine Zusammenfassung.
Der/die BR-Journalist/-in, die den Artikel geschrieben hat, hat offensichtlich nicht mal die Pressemitteilung richtig gelesen vor dem Verfassen des Artikels.
Also wenn dir was komisch vorkommt, dann lies dich genauer ein oder kommentier nicht. Es mag nicht deine Verantwortung sein die Quellen zu lesen, aber es ist schon deine Verantwortung dich zu informieren bevor du Falschinformationen verbreitest.
In Social Media postest du genauso öffentlich und teils sogar genauso weitreichend (ok, auf Lemmy weniger, aber auf anderen Seiten mehr) wie ein echter Journalist. Es kann durchaus sein, dass irgendwer das Thema googlelt, dann auf deinen Kommentar mit deinem Missverständnis stößt und dann sagt “Es ist ja nicht meine Aufgabe, die Quelle anzuschauen, weil Porco hat sich das sicher angeschaut bevor er gepostet hat”.
Das ist genau wie diese ganzen verschwörungstheoretischen Circlejerks entstehen. Irgendwer postet ein Missverständnis, welches dann von der nächsten Person als Wahrheit genommen wird und dann rennts im Kreis und auf ein Mal sitzt Trump im Weißen Haus weil Clinton in einer Pizzeria Blut von Kindern trinkt oder so.
Also wenn dir was komisch vorkommt, dann lies dich genauer ein oder kommentier nicht.
Ab welchem Nivau darf ich deiner Ansicht nach denn mitreden? Bachelor, Master, Promotion oder Habil? Das ist einfach Unsinn.
Das ist genau wie diese ganzen verschwörungstheoretischen Circlejerks entstehen.
Auch das ist natürlich Unsinn. Es ist überhaupt nicht nahe liegend, dass bei einer Studie, die das Dunkelfeld bezüglich Gewalterfahrungen beleuchten soll, zunächst ein fachfremder Gewaltbegriff benutzt wird, um dann am Ende doch Aussagen aus einem anderen Gewaltbegriff abzuleiten. Es ist Aufgabe der PM-Ersteller, das richtig darzustellen. Und nein: Ich bin kein Journalist und habe auch nicht diese Verantwortung. Anders als die PM-Ersteller.
Das mit dem Blut Trinken usw. natürlich absoluter Unsinn.
P.S. Ne Fundstelle hast du immer noch nicht angegeben. Ich würde das auch wirklich sehr gerne nachvollziehen können, werde mir aber nicht auf gut Glück die 138 Seiten durchlesen. Am besten noch Sekundärliteratur, um nachvollziehen zu können, ob das, was da gemacht wurde, methodisch auch sauber ist.




