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    1 day ago

    Irgendwas ist mit feddit broken, ich kann deine Antwort nur in meiner Inbox lesen, nicht hier im Thread. Deswegen die Antowrt hier, sorry für den dadurch super unübersichtlichen Threadverlauf… :/

    Da bin ich einfach einer anderen Meinung. Ich finde, dass es gerade Kern des Rechtsstaates ist, dass es gleiche Rechte und Pflichten für alle gibt. Gesellschaftliche Gleichstellung, den Gender Pay-Gap, Care-Arbeit oder ähnliche Themen als Begründung für eine rechtliche Ungleichstellung zu nehmen, halte ich für extrem schwierig und sogar kontraproduktiv. Die Wehrpflicht ist hier übrigens das beste Beispiel: Die offizielle Begründung des Bundesverwaltungsgerichtes warum die Geschlechterdiskriminierung bei der Wehrpflicht ok sei ist, dass Frauen in anderen familiären Bereichen stärker belastet sind. […] Wenn sich also jetzt ein Mann hinstellt und den Frauen sagt “hey, wir haben Wehrpflicht gehabt und ihr nicht und der Ausgleich dafür ist, dass ihr mehr Care-Arbeit machen müsst”, dann ist das offiziell völlig korrekt aufgrund der rechtlichen Ungleichbehandlung. Dass das aber natürlich gnadenlos alle Geschlechtergleichbehandlungsthemen vergiftet, ist auch klar. Dann nehme ich lieber einen Wehrdienst auch für Frauen und statt einer höchstrichterlich festgestellten “Care-Arbeits-Pflicht” für Frauen.

    Ich glaub über das Ziel sind wir uns relativ einig, über den Weg sind wir uns uneinig. Ich halte es nicht für ok der einen Gruppe mehr rechtliche Pflichten zu geben damit diese genug Druck hat um sich der gesellschatflichen Pflichten zu entledigen. Das würde erstmal zu einem (noch stärkeren) Ungleichgewicht zu ungunsten einer Gruppe führen die (zumindest historisch, aber ich finde auch aktuell noch) eh schon benachteiligt ist. Wenn man diesen Weg über ein gezieltes Ungleichgewicht gehen will, sollte dieses Ungleichgewicht auf der Seite der eher privilegierten passieren.

    Ich denke es macht viel mehr Sinn Anreize zu schaffen Männern die rechtlichen Pflichten zu erlassen wenn sie dafür die momentan nur durch gesellschaftlichen Druck entstehenden Pflichten übernehmen. Wie genau man das ausgestaltet ist noch ne ganz andere Diskussion. Die Richtung finde ich aber viel vielversprechender.

    Und gleichzeitig diskriminiert man damit halt Leute, die nichts dafür können. Wenn du halt jetzt jungen Menschen Jobs aufgrund ihres Geschlechts eben nicht gibst, weil irgendwie die Eltern oder Großelterngeneration keine Geschlechtergerechtigkeit gelebt hast, dann ist das halt natürlich etwas, das die Leute verbittert. Und dann ist es auch kein Wunder, wenn Umfragen entsprechend mit gewissen Negativtendenzen ausfallen. Es fickt halt gerade auf einer individuellen Ebene hart rein: Dann darfst du als junger Mann zur Bundeswehr und deine Klassenkameradinnen können schön studieren, Work&Travel in Australien machen oder in den Beruf rein, mit der Begründung, das irgendwelche anderen Männer sich weniger um ihre Kinder kümmern. Oder du kriegst die Stelle oder die Beförderung trotz Qualifikation nicht und hattest auch nie eine Chance drauf, weil irgendwann völlig nicht von dir zu beeinflussen irgendwo die Jahrzehnte vorher mehr Männer eingestellt wurden. Da ist es glaube ich leider verständlich, dass es dann in Umfragen einen Teil der Leute gibt, die “Gleichberechtigung ist zu weit gegangen” antwortet.

    Da kommst du in die Abwägung zwischen gesamtgesellschaftlichen Änderungen und Einzelfallgerechtigkeit. Genauso könntest du über Frauen jammern, die ihr Studium oder ihre Karriere unterbrechen müssen um ihre Eltern zu pflegen oder Kinder zu betreuen während die Männer Geld verdienen und Rentenpunkte sammeln um dann viel früher in Rente mit höheren Bezügen gehen zu können. Es wird auch Beispiele für Frauen geben, die die aktuelle Regelung gut finden, weil sie gerne Pflegearbeit leisten und ihnen ein System ganz gut passt, das genau darauf ausgelegt ist, dass sie diese Arbeit übernehmen. Solche großen Änderungen mit Einzelfallgerechtigkeit widerlegen zu wollen ist mMn nicht zielführend.

    • JensSpahnpasta@feddit.org
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      1 day ago

      Ich glaube, dass diese Kategorie Männer versus Frauen einfach zu grob schlechtig ist, dort wirklich eine Gerechtigkeit hinzukriegen. Wir haben da ebenfalls das Problem mit Schichten, Klassen und einfach Unterschieden zwischen den individuellen Lebensarten. Wir haben Milieus, in denen die Geschlechtergleichheit in den Partnerschaften schon sehr, sehr gut funktioniert. Und wir haben Milieus, in denen sie noch irgendwie im Mittelalter feststeckt. Und wir haben dann natürlich auch noch eine steigende Anzahl von Singles, wo solche Themen gar nicht diskutiert werden können, weil die Menschen natürlich ohne Partner überhaupt keinerlei unterschiedliche Belastungen innerhalb der Partnerschaft/Familie haben können. Das ist übrigens auch gar keine so kleine Zahl, sondern jeder dritte Deutsche.

      Was ich damit sagen will, ist, dass man das Thema, glaube ich, nicht so dual mit Männern versus Frauen betrachten kann. Die Tochter des CEOs hat sicherlich ganz andere Startbedingungen ins Leben, als zum Beispiel ein migrantischer junger Mann aus der Arbeiterklasse oder mit Fluchthintergrund. Da bringt es dann nichts, wenn man dem jungen migrantischen Mann die Wehrpflicht zuschustert, aber nicht tiefer genauer steuert und dann z.B. die CEO-Tochter zur Bundeswehr schickt und ihn nicht.

      Und was mich da auch an der Stelle etwas irritiert beziehungsweise ärgert, ist natürlich, dass wir hier eine sehr einseitige Förderung haben. Es ist ja nicht so, dass wir zum Beispiel andere Leute aus benachteiligten Milieus besonders fördern würden, sondern wir machen das irgendwie nur bei Männern versus Frauen. Etwa ein “Menschen mit Migrationshintergrund werden bevorzugt eingestellt”, oder “jüngere Leute werden bevorzugt eingestellt” oder “alte Leute werden bevorzugt eingestellt” ist rechtlich komplett verboten.

      Und nochmal, es geht mir wirklich um die rechtliche Ungleichbehandlung. Es ist sicherlich nicht gut, wenn Frauen ihr Studium unterbrechen müssen, um ihre Eltern zu pflegen. Aber es ist ein Unterschied, ob bestimmte Themen wirklich in Gesetze gegossen sind. Frauen, die familiäre Pflege leisten im Studium, könnte man sicherlich anders fördern, als durch eine Wehrpflicht für Männer. Und auch wenn z.B. das Thema Pflege immer als Frauenthema gezogen wird: Es gibt halt auch männliche Einzelkinder. Oder Menschen, die nur Brüder haben. Die trifft das auch.