Die Einkommenslücke zwischen Mecklenburg-Vorpommern und den westdeutschen Bundesländern ist innerhalb eines Jahres um satte 854 Euro größer geworden. Lag der Einkommensunterschied im Jahr 2024 noch bei 6015 Euro, waren es im vergangenen Jahr schon 6869 Euro.

Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) abgefragt hat. Sie liegen der OZ exklusiv vor. In die Einkommensstatistik fließen nicht nur Löhne und Gehälter, sondern auch Einnahmen beispielsweise aus Zinsen und Mieten ein.

Laut BSW lag das mittlere Einkommen (Median) in MV im Jahr 2025 bei 32.729 Euro netto und damit 6869 Euro unter dem Einkommensniveau in Westdeutschland mit 39.598 Euro.

MV rangiert bundesweit auf dem viertletzten Platz. Nur Sachsen-Anhalt, der westdeutsche Stadtstaat Bremen und Sachsen haben demnach ein niedrigeres Einkommensniveau.

„Dass die Einkommensunterschiede zwischen MV und dem Westen wieder größer werden, ist eine Ohrfeige für die Menschen in MV“, sagt BSW-Landeschef Peter Schabbel. Wenn Haushalte im Nordosten fast 7000 Euro netto im Jahr weniger zur Verfügung haben, dann sei das 35 Jahre nach der Einheit eine inakzeptable Lücke.

Das Wirtschaftsministerium in Schwerin will die Zahlen vorerst nicht kommentieren, da sie noch nicht offiziell veröffentlicht sind. Vom Unternehmerdachverband MV heißt es: „Die vom BSW angeführten Vergleichswerte sagen ohne konkrete Beschreibung der zugrundeliegenden Daten wenig bis gar nichts aus.“

Für die Gewerkschaften ist die geringe Tarifbindung der Unternehmen in MV einer der Gründe für die Unterschiede. Sie liege in ganz Ostdeutschland bei 44 Prozent, im Westen bei 51 Prozent. In MV seien es sogar nur 40 Prozent. „Mit Tarifvertrag verdienen die Beschäftigten im Schnitt 800 bis 900 Euro mehr monatlich. Da die Tarifbindung in Ost und West unterschiedlich ist, wachsen somit die Unterschiede weiter“, sagt DGB-Nord-Vize Daniel Taprogge, der selbst aus Schwerin kommt.

Die Forderung des DGB: „Die EU-Mindestlohnrichtlinie sieht für die Mitgliedstaaten eine Tarifbindung von 80 Prozent vor. Mitgliedstaaten, in denen der Wert niedriger ist, mussten bis Ende 2025 einen nationalen Aktionsplan mit Maßnahmen für mehr Tariflöhne vorlegen. Die Bundesregierung ist dem nicht nachgekommen.“ Dieser Maßnahmenplan müsse endlich vorgelegt werden. Eine hohe Tarifbindung sei kein Hemmschuh, sondern Motor für wirtschaftliches Wachstum – sie stärke die regionale Nachfrage und sichere gute, nachhaltige Arbeit.

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  • lichtmetzger@discuss.tchncs.deOP
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    23 days ago

    MV rangiert bundesweit auf dem viertletzten Platz.

    Meinen Job hier in MV zu kündigen und remote für eine Firma in Hamburg zu arbeiten, war finanziell die bisher beste Entscheidung meines Lebens. Hier werden echt Peanuts bezahlt - zwar sind die Mieten niedriger, aber auch nicht so niedrig, dass das dadurch ausgeglichen werden würde.

    • rumschlumpel@feddit.org
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      13
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      23 days ago

      Remote arbeiten ist sowieso ein Hauptgewinn. Großstadtgehalt, Kleinstadt-Lebenshaltungskosten, kein Ärger mit Pendeln oder lauten Büroräumen (wenn man keine kleinen Kinder zu Hause hat).